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Das St. Georgener Phonomuseum in 2012

Das Phonomuseum im Ex-Kaufhaus
Das Museum nennt sich
"Deutsches Phonomuseum"
und präsentiert ein einladendes Ambiente

Mai 2012 - von Gert Redlich - Um es gleich vorweg zu sagen, es gibt mehrere reale Phonomuseen in Deutschland und Österreich, die sich jeweils als das einzige und wahre "Deutsche Phonomuseum" präsentieren.

Es gibt aber nur eines, daß sich intensiv um die Produkte und die Geschichte der alten Firma Dual (und auch der Firma PE) bemüht. Denn beide aus der Familie Steidinger entstandenen Firmen, die alte Firma Dual der Gebrüder Steidinger und auch PE waren in St. Georgen zuhause und haben diesen kleinen Ort im Schwarzwald überhaupt erst weltweit bekannt (aber nicht berühmt) gemacht.

Das Phonomuseum war über viele Jahre im Rathaus untergebracht und untersteht quasi seit Anbeginn der Stadverwaltung als städtische Einrichtung. Den Dual-Sammlern und Fans ist es aber mehr unter dem landläufigen Begriff Dual-Museum bekannt, sehr ähnlich dem Radiomuseum Fürth (auch ein städtisches Museum), das als Grundig-Museum weitaus bekannter ist.

Durch die erhebliche finanzielle Hilfe des Herrn Georg Papst
(leider im Frühjahr 2012 verstorben), ehemaliger Chef der ehemaligen Papst Motoren Werke, auch in St. Georgen, konnten ab 2011 zwei Etagen des ebenfalls verweisten (ehemals viel zu großen) Kaufhauses in der Ortsmitte für 20 Jahre langfristig bezogen werden. Die Museums- Wiedereröffnung - jetzt in wesentlich größerem Stil als früher - war im Juni 2011.
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Das ist nur eine von vielen Vitrinen

Es gibt Beeindruckendes zu sehen.

Selbstverständlich sind alle Dual Plattenspieler, die jemals gebaut wurden, im Original in den langen Vitrinen. Anfassen geht leider nicht, sonst würden in Kürze Knöpfe und Tonköpfe fehlen, die man ja ganz leicht abziehen könnte.

Auch sind fast alle PE Plattenspieler zu betrachten
. Von den anderen wichtigen konkurrierenden Herstellern sind jeweils die herausragenden Typen als exemplarische Muster in der Ausstellung.

Doch das macht den Besuch noch lange nicht interessant
, es sei denn für die fanatischen Sammler, die sich die egomanische Genugtuung verschaffen wollen, sie alleine hätten ein DUAL Gerät, das hier noch fehlt.

Das Museums-Team um Jürgen Weisser

Herr Weisser vor der Schellack-Diskothek
Frau Reinl und Herr Weisser mit Gästen

Ein Museum solchen Ausmaßes kann kein Einzelner auf die Beine stellen und pflegen. Jürgen Weiser ist seit langem dabei und der Motor der Ideen und der Ausstellung. Um ihn herum sind viele ehrenamtliche Kolleginnen und Kollegen und natürlich auch die Damen und Herrn der Stadtverwaltung, die einen beträchtlichen Teil der Administration tragen. Die Gemeinde hat sich nämlich auch mit engagiert.

Das Museum wird während der Öffungszeiten von einer Vollzeitkraft und von zwei Teilzeitkräften, alle bei der Stadtverwaltung angestellt, betreut.

Alle anderen "Mitarbeiter"
(natürlich auch die Damen) bringen ihre Arbeit ehrenamtlich in dieses Projekt ein. Als erfahrener (Rundfunk- und Technik-) Museumsbesucher fällt mir sofort auf, hier werkeln ganz viele fleißige und engagierte Hände. Und als Erstbesucher sieht man auch, hier wird mit Kompetenz gearbeitet.
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Die Chronologie der historischen Entwicklung der Phonotechnik

Unglaublich, ein originaler echter Zinnfolienschreiber von Edison
das sind schon wunderschöne Exponate

Auf zwei großen Inseln, die man langsamen Schrittes umrunden kann, sind die ersten Anfänge der Edisonschen Zinn-Folien-Walze, der Wachswalzen und der Ur-Plattenspieler samt der Wachsschneider in historisch chronologischer Reihenfolge aufgebaut. Die Beschriftung ist absolut mustergültig. Die jeweiligen Tafeln an den Exponaten sind für viele andere kleine und auch größere Möchtegern-Museen wünschenswerte Vorbilder.

Und es handelt sich, soweit ich es beurteilen konnte, um die jeweiligen Originale, also nur ganz wenige Nachbauten. Doch diese Eigenschaft wird nur Historiker begeistern. Der normale Besucher erfeut sein Auge, wenn überhaupt das Interesse dafür da ist, an den großen wunderbar restaurierten und gepflegen Trichtergrammophonen aus Messing oder Stahlblech samt der funktionierenden Federwerk- oder Elektro-Mechanik. Ob natürlich wirklich jedes historische Grammophon "wirklich" funktionieren muß, das sei dahingestellt.
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Die Wände ringsherum stehen voller Vitrinen

Nicht nur PE und Dual, auch andere Marken sind hier ausgestellt
Das hier sind nur Dual Produkte

und die Vitrinen sind dicht und randvoll mit Phono-Produkten aller Art gefüllt. Es ist genügend zum Anschaun und Bewundern da, jedenfalls für die begeistertern Sammler, die dann ehrfuchtsvoll von Fenster zu Fenster defilieren. Da diese meist sowieso von weit her kommen, haben sie viel Zeit mitgebracht. Jüngere Besucher, es waren an dem Sonntag Abend leider sehr wenige davon da, haken die Exponate in den Vitrinen relativ schnell ab.

Sie wissen von dieser alten historischen Technik viel zu wenig - und - wollen es vermutlich auch gar nicht (mehr) so genau wissen.

Insbesondere Ehefrauen betrachten erschrocken ihre Ehemänner, als daß sie den Vitrinen ihre Aufmerksamkeit schenken. Für Ehefrauen ist es manchmal ein Erlebnis der besonderen Art, Ihre Männer zu betrachten und jetzt hautnah und live mitzubekommen, wie intensiv und ausdauernd sich diese für "den alten Kram" da hinter den Glasscheiben begeistern können. Diesen "Enthusiasmus" hätten sie sich ganz sicher vor ganz vielen Jahren auch mal gewünscht.

Im Obergeschoss steht dazu eine Magnetbandausstellung

ein Blick auf die Magnetbandgeräte
hinten und rechts: Revox Geräte

Im Obergeschoss geht es mit der Phonotechnik weiter, denn im Verlauf der Geschichte spielte das Magnetband für die Produktion von Schallplatten eine sehr wichtige Rolle.

Diesen Teil der Ausstellung betreut Wolfgang Winkler. Mit seiner Erfahrung bei der professionellen Tonaufnahme kann er die Vorarbeiten zur Schallplatte hervorragend darstellen.

In den Vitrinen sind sicher auch eine Menge weniger aussagekräftiger Geräte ausgestellt, doch die wichtigen Aufzeichnunsgsgeräte der Studiotechnik sind auf einer Insel in der Mitte sehr gut präsentiert.

Hier findet man auch eine ganz edle (Home-) Hifi-Stereo-Anlage - von Revox natürlich - diese Firma war ja gar nicht so weit weg von St. Georgen.
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Und es gibt im Obergeschoss auch noch eine Uhrenausstellung

In St. Georgen wie in anderen Orten im Schwarzwald fing es von mehr als 100 Jahren mit den feinmechanischen Werkstätten an und dort wurden nicht nur die Teile, sondern auch die Uhren selbst hergestellt. Daraus sind die ersten Federwerkmotoren für die damals völlig neuen Plattenspieler entstanden und später auch elektrische Antriebe. Auf diesen Wurzeln basiert auch die ehemalige Firma Papst Motoren, die heute ebmpapst heißt.
So sind im Bereich der Uhren eine Menge solcher Kostbarkeiten zu sehen und zu bewundern.

Und nicht zu vergessen: Fast jedes Museum hat eine Museums- werkstatt, wir hier in Wiesbaden natürlich auch.

Die alten "Kisten" haben nach 40 Jahren ihre Macken und manche dieser Geräte ärgern uns mit trivialen Schwächen. Das alles muß die Museumswerkstatt richten.

Bei der uralten Mechanik ist das ein lösbares Problem, bei der Elektronik kann das ganz schön schwierig werden.

Das Phonomuseum hat recht weite Öffnungszeiten
, die es eigentlich jedem Besucher bzw. Urlauber ermöglichen sollte, einen ausführlichen Blick hinein zu werfen. (Nur Montags ist fast immer geschlossen)

Auch die Eintrittspreise sind mit 5 Euro (Erwachsene) gerade noch "moderat",
jedenfalls für das, das dort an Exponaten und Erklärungen geboten wird. Weniger interessierte potentielle Besucher, die nur mal schauen wollen, werden das als zu hoch erachten. Auch scheint die umfangreiche Preisliste (hinter dem Link zu finden) aus einer typisch deutschen "Beamtenstube" einer Gemeindeverwaltung zu kommen. Das wiederum ist aber schon lange nicht mehr zeitgemäß, und damit echt museumstauglich.

Erstes Fazit: Dieses Museum ist in Europa unseres Wissens nach einzigartig.

Edisons allerallererster Zinnfolien-Walzen- Recorder, es scheint kein Modell oder ein nachträglich patinierter Nachbau zu sein, es scheint ein historisches Original zu sein.

Die mir bekannten Museen habe alle nur einen sogenannten "rudimentären" Teilausschnitt dieser Exponate an historischen Stücken und bei weitem nicht so sorgfältig beschildert wie hier. Auch wenn das Grammophon-Museum in Groß Lobke / Algermissen Nähe Hannover besuchenswert ist, es ist ein Spezialmuseum für die Zeit vor dem "modernen" Plattenspieler.

Und es gilt auch für die großen staatlichen Museen wie die Museen für Kommunikation in Frankfurt und Berlin und das Technikmuseum Berlin und auch das Deutsche Museum in München. Alle haben zwar immer "irgendetwas" oder ein paar ausgewählte Exponate/Teile von diesen Phono-Geräten stehen. Hier ist jedoch eine sehr anschauliche Chronologie zu finden, (die jedoch immer - aufgrund der Fülle - der Erklärung bedarf).

Insbesondere interessierte jüngere Besucher und ganze Schulklassen sollten sich ein verstehbares Bild von der Entwicklung dieser Technik machen können.
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Zweites Fazit: Man könnte noch . . .

. . . die Aufzeichnung bzw. das Schneiden von modernen Schall-Folien für unsere 33er Vinyl-Platten anschaulich mit übergroßen Mustern eines Schneidstichels und das Abspielen einer Stereo-LP mit einem übergroßen (Holz-) Diamanten in einer übergroßen Rille verdeutlichen.

Auch für die Aufnahme von Frequenzen auf Magnetband gäbe es anschauliche übergroße Präsentations-Möglichkeiten, die solche Vorgänge den mit Eindrücken überladenen jungen Besuchern lange im Gedächtnis verbleiben lassen.

Den Machern geht also die Arbeit nicht aus und jeder Besucher honoriert mit seinem Kommen dieses Engagement und mit dem kleinen Obulus lassen sich auch mal Wünsche in ebay ermöglichen, für die sonst kein Geld mehr da ist.

Es gibt da ein Vorbild aus der Pfalz

Als ich in 2008 zum ersten Male das "Deutsche Fotomuseum" in Deidesheim nähe Landau besucht hatte, bekam ich eine (für mich) traurige Besucherzahl für das ganze Jahr genannt, die zum Nachdenken angeregt hatte. Ich hatte den Machern dort empfohlen, den Einritt frei zu machen und am Ende für eine Spende zu werben. Damals stieg die jährliche Besucherzahl von 800 (zahlenden Besuchern) auf über 2.400 an und am Ende war erheblich mehr Geld in der Spendenbüchse am Ausgang als früher Eintrittsgelder in der Kasse.
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Nachsatz :

Etwas über den Ort St. Georgen finden sie hier. Was Sie auf jeden Fall tun sollten, sich die Telefonnummer notieren, wenn Sie den Weg nicht finden oder unschlüsig sind.

Das Museums-Telefon (Stand 2012) lautet : 07724 8599138

Die NAVI Adresse lautet : 78112 St. Georgen
(Schwarzwald) Bärenplatz 1

Und hier geht es zurück zum Eingang unserer Dual Seiten.

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