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Technik-Artikel 1 - teilweise aus einem Büchlein von 1988

Die beiden Autoren Michael Janitz und Claus Römer sind oder waren Ingenieure beim Südwestfunk Baden Baden (damals noch SWF, inzwischen SWR) und haben mehrere Aspekte der 1988 modernen Rundfunk- und Studiotechnik beschrieben. Die Didaktik ist vorbildlich und der Schreibstil ist mustergültig, darum hier ein paar Auszüge. Dies ist einer von mehreren Artikeln. Der nächste Artikel steht hier. Die Übersicht über alle diese Artikel steht hier.

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Historischer Rückblick :
Entstehung und Entwicklung des Rundfunks in Deutschland

Die Geschichte der Rundfunkübertragung beginnt vor nahezu einem Jahrhundert. 1888 gelang es dem deutschen Physiker Heinrich Hertz (1857-1894) in Karlsruhe erstmals, elektrische Schwingungen zu erzeugen und sie - was entscheidender war - gleichzeitig auch meßtechnisch nachzuweisen. Die Existenz elektromagnetischer Wellen hatte schon 1865 der Engländer J. C. Maxwell (1831-1879) vorausgesagt; er konnte aber den experimentellen Nachweis dafür nicht erbringen und hat das Versuchsergebnis von Heinrich Hertz im Jahr 1888 nicht mehr erlebt.

Hertz hatte sich in seinem kleinen Laboratorium einen Schwingkreis aufgebaut, dessen auffallendstes Merkmal zwei kleine Messingkugeln waren, zwischen denen leuchtende Funken hin und her sprangen. Nach seinen Überlegungen entstand entlang dieser Funkenstrecke eine elektromagnetische Welle, die sich in den freien Raum mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitete. Mit einer Meßapparatur konnte Hertz diesen fundamentalen Zusammenhang zwischen Wellenlänge, Frequenz und Lichtgeschwindigkeit nachweisen. Man kann den Hertz'schen Versuchsaufbau als die erste, sehr einfache Sender-Empfänger-Kombination bezeichnen.

Heinrich Hertz konnte aber seine Entdeckung trotz einiger Hinweise aus dem Kollegenkreis für sich nicht nutzbringend anwenden. Das schaffte erst der Italiener Guglielmo Marconi (1874-1937), der an der Universität von Bologna von den Versuchen Hertz' gehört hatte. 1895, ein Jahr nach dem Tode von Heinrich Hertz, baute Marconi in Bologna einen kleinen Sender und ließ damit eine Klingel über 4 m Entfernung anschlagen. Marconi ließ diese Apparatur anschließend in London zum Patent anmelden.

Morsen in England

1897 fand vor einigen Zuschauern eine drahtlose Übertragung von einfachen Morsezeichen über den Bristol-Kanal statt. Unter den Zuschauern befand sich der Berliner Professor Adolf Slaby (1849-1913), der sich mit dem Studium der elektromagnetischen Wellen beschäftigte. Mit seinem Assistenten Georg Graf von Arco (1869-1940) entwickelte er, angeregt durch diese Demonstration, einen Telegrafensender, der vom Hörsaal der Technischen Universität in Berlin-Charlottenburg bis zu einem 500 m entfernten Wasserturm Morsezeichen übertragen konnte.

Slaby und Graf von Arco telegrafierten noch im selben Jahr von Rangsdorf nach Schöneberg über eine Entfernung von 21 km. Marconi hatte inzwischen in London eine Telegrafen-Gesellschaft gegründet und begann mit der Errichtung der ersten Funkstationen.

In Deutschland konkurrierten das System von Slaby, dessen Labor der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft AEG angehörte, und das System von Siemens und Halske, das von Professor Karl Ferdinand Braun (1850-1918), dem Erfinder der Elektronenstrahlröhre, unterstützt wurde. 1902 gründete man gemeinsam die Gesellschaft für drahtlose Telegrafie, später kurz Telefunken genannt.

Inzwischen hatte Marconi einen weiten Vorsprung gewonnen. Es existierten bereits 25 Küstenstationen seiner Gesellschaft, die mit 30 Handelsschiffen und 32 Schiffen der englischen Kriegsmarine Verbindung aufnehmen konnten.

Vorausgegangen war am 12. Dezember 1901 ein erfolgreicher Sendeversuch von England nach Neufundland: Über eine Entfernung von 3500 km wurde der Buchstabe S des Morsealphabets (drei Punkte) drahtlos übertragen. Marconi hatte damit nicht nur die Leistungsfähigkeit seiner Sender bewiesen, sondern auch gezeigt, daß sich Funkwellen jenseits des optischen Horizonts auf der gekrümmten Erdoberfläche ausbreiten können.

Telefunken holt auf

Telefunken unter der technischen Leitung Graf von Arcos versuchte, den Vorsprung Marconis einzuholen. So wurde eine große Versuchsstation geplant, deren Leitung Oberingenieur Hans Bredow (1879-1959) übernommen hatte, jener Mann, der wenige Jahre später den deutschen Rundfunk aus der Taufe heben sollte.

Als Standort für diese Station wurde ein Gelände in der Nähe der märkischen Gemeinde Nauen ausgewählt, etwa 40 km nordwestlich von Berlin. Nauen diente zunächst als Sendestation für den Telegrafenverkehr mit Nordamerika und den damaligen deutschen Kolonien Togo und Südwestafrika.

Trotz eines Unglücksfalls während der Errichtung eines 200m hohen Antennenmasts in Nauen und einer Unwetterkatastrophe in Togo, der der Sender zum Opfer fiel, gab Telefunken seine Bemühungen nicht auf, die weltweite Ausbreitung von Funkwellen zu realisieren.
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Kriegsjahr 1917

Die Technik war inzwischen so weit fortgeschritten, daß die ersten Musikübertragungen gewagt werden konnten, zunächst allerdings nur im Rahmen von Versuchen.

Die Geburtsstunde des deutschen Rundfunks schlug im Kriegsjahr 1917, als Hans Bredow an der Westfront Musik- und Unterhaltungssendungen für die Soldaten verbreiten ließ. Nach dem Krieg entstand ein Presse- und Wirtschaftsfunk, dessen Empfänger gegen eine Lizenzgebühr an ausgewählte Institutionen, wie etwa Banken und große Geschäftshäuser, sowie an Privatpersonen vergeben wurden. Die Geräte waren verplombt und auf eine einzige Eingangsfrequenz eingestellt.

Das Reichspostministerium schrieb im November 1921 in einer Ankündigung u.a.: "Die Einschaltung des Hörapparats erfolgt in einfachster Weise durch Drehen eines Schalters sowie Abnehmen des Fernhörers, worauf die Nachrichten, die zu genau festgesetzten Stunden ohne vorherigen Weckruf ergehen, wie mittels eines gewöhnlichen Fernsprechapparats entgegengenommen werden können. Die Bedienung erfordert keinerlei Kenntnisse. Ein Sprechen in der Richtung von der Empfangsstelle zur Zentralstelle ist nicht möglich."
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Das VOX Haus in Berlin

Bredows Ziel war es, den Presse- und Wirtschaftsfunk zum Unterhaltungsrundfunk weiterzuentwickeln. Als Leiter der neuen Funkabteilung des Reichspostministeriums versuchte er, das Wesen des Rundfunks einer breiten Öffentlichkeit in Vorträgen und Vorführungen zu vermitteln.

Trotz vieler Vorbehalte wurde am 20. September 1923 das "Telegrafische Technische Reichsamt" beauftragt, einen Sender für Rundfunksendungen zu bauen, möglichst ohne Kosten, wie Hans Bredow forderte. In nur zehn Tagen entstand aus Laborbeständen eine Anlage, die im Dachgeschoß des Berliner Vox-Hauses in der Potsdamer Straße 4 eingebaut wurde.

Am 15. Oktober wurde unter der Leitung von Hans Bredow der deutsche Unterhaltungsrundfunk, wie er genannt wurde, der Öffentlichkeit übergeben. Drei Tage später liefen Versuchssendungen, und am 29. Oktober 1923 um 20 Uhr begann die erste offizielle Ausstrahlung von Musik- und Wortdarbietungen.

In der Geburtsstätte des deutschen Rundfunks, dem Vox-Haus, waren nicht nur die Senderanlagen, sondern auch Büros und das eigentliche Rundfunkstudio untergebracht. Es war ein normales Zimmer, das mit einfachen Mitteln akustisch ausgekleidet worden war. Der Sender arbeitete auf der Wellenlänge 400m, entsprechend einer Frequenz von 750kHz. Als Sendeantenne diente ein 30m langes Drahtgebilde, das zwischen zwei Trägermasten etwa 18m über den Dächern der Potsdamer Straße aufgespannt war. Die Senderausgangsleistung betrug etwa 1kW.

Der Ausbau ab 1924

Im Laufe der Jahre 1924/25 wurden weitere Sender in Betrieb genommen, u.a. auch im Haus der Funkindustrie, das auf dem heutigen Berliner Messegelände stand und in dem die ersten Funkausstellungen veranstaltet wurden. In direkter Nachbarschaft wurde nicht viel später der Funkturm errichtet, der eines der Wahrzeichen Berlins werden sollte.

Das erste deutsche Rundfunksendernetz bestand aus Stationen in Berlin, Breslau, Frankfurt/Main, Hamburg, Königsberg, Leipzig, München, Münster und Stuttgart. Weitere Sender folgten. Als Sendebereich wurde jeweils ein kreisförmiges Gebiet mit 300km Durchmesser angenommen.

1926 wurde im ersten Genfer Wellenplan der Versuch unternommen, Ordnung in das sich ständig vergrößernde Sendernetz in Europa zu bringen. Dem Deutschen Reich wurden insgesamt 23 Frequenzen zugewiesen, die mit einer Leistung zwischen 0,5 und 10kW betrieben werden durften.

Auf der Grundlage dieses Planes entstanden in den Jahren 1927 bis 1930 weitere Sendestationen. Im Vorgriff auf einen dringend notwendigen neuen Frequenzplan wurde an einigen Sendern die Leistung auf über 10kW erhöht, und der erste deutsche Großsender mit einer Trägerleistung von 60kW entstand Ende 1930 in Mühlacker.

Durch Weiterentwicklung der Senderröhrentechnik konnten 1933 die ersten 100kW-Sender in Berlin und Hamburg in Betrieb genommen werden. Durch Fortschritte in der Antennentechnik und Vergrößerung der Sendemasten wurde die Versorgung der Sendegebiete verbessert. Den Rekord hielt bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg der 325m hohe Eisengittermast des Langwellensenders Herzberg, 90km südlich von Berlin.

Der UKW Rundfunk kam in Deutschland bereits 1949

Nach 1945 wurden die heutigen Rundfunkanstalten ins Leben gerufen und neue Senderanlagen und Studios errichtet. Am 28. Februar 1949 eröffnete der Bayerische Rundfunk das UKW-Zeitalter.

Die "Welle der Freude", wie sie bald genannt wurde, trat ihren Siegeszug an und ist bis heute die qualitativ beste Art, Programm drahtlos zu übertragen.

Und der Stereo Rundfunk wurde 1963 eingeführt

Eine weitere wichtige Etappe der deutschen Rundfunkgeschichte war 1963 die Einführung der Stereofonie. Die Schallplattenfirmen hatten Ende der 50er Jahre die Stereoplatte auf den Markt gebracht, und da die Wiedergabequalität großen Anklang fand, mußten sich die Rundfunkanstalten möglichst schnell dieser neuen Technik anpassen. Am 30. August 1963 wurde offiziell der Stereorundfunk eingeführt. Heute sind alle UKW-Sender stereotüchtig.

Die Entwicklung steht aber nicht still. Mit der Einführung des Radio-Daten-Systems ab 1988 wird den Hörern ein neuer Service angeboten, der das Auffinden der gewünschten Programme erleichtert, und der Satelliten-Hörfunk setzt neue Qualitätsmaßstäbe durch die digitale Übertragungstechnik bis hin zum Hörer. Auch hier hat die Schallplattenindustrie mit der Entwicklung der Compact Disc (Entwickelt ab 1979) den Weg vorbereitet.

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