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Ein Firmenprospekt von Ernst Roederstein 1966 (und 1979)

Roederstein Kondensatoren
Ein Kondensator aus einem BRAUN TG 1020 Bandgerät

aufgearbeitet im Mai 2017 von Gert Redlich - Im Nachlass von Wolfgang Hasselbach gab es jede Menge an Heften und Broschüren mit dem Wissen der 1960er Jahre. So habe ich auch zwei 120 seitige Broschüren von der Firma Roederstein (Spezialfabrik für Kondensatoren GmbH Landshut/Bay.) gefunden. Dort schreibt der Chef über die Zukunft seiner Industrie aus seiner Sicht. Selbstverständlich wissen wir das jetzt im Jahr 2017 alles "viel besser".

Doch aus historischer Sicht finde ich es extrem wichtig, die "Denke" und "Vorstellungen" der Firmenchefs von damals zu verstehen und damit auch den (Abwärts-) Weg unserer einst weltweit führenden Industrie nachzuverfolgen. In den Jahren vor und nach dem 2. Weltkrieg waren wir hier in Deutschland in so vielen Branchen weltweit führend, bis uns "die Anderen" gezeigt haben, daß sich das "Schlafen oder Ausruhen" bitter rächt.

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Ernst Roederstein schreibt 1966 über
"Tendenz und Zukunft der elektronischen Bauelemente"

Einführung - April 1966

Die Zeiten einer forcierten Weiterentwicklung einzelner Bauelemente mit dem Ziel, eine umfassende Verbesserung aller elektrischen und mechanischen Eigenschaften herbeizuführen, sind ebenso vorbei, wie der voraufgegangene Versuch, durch Zusammenfassung von verschiedenen Ausführungen den idealen Einheitstyp zu erhalten.

Das Gegenteil des folgenden Absatzes ist seit langem bewiesen

Einer fortschreitenden Verkleinerung zum Beispiel sind, allein schon durch die erheblich steigenden Kosten, ganz bestimmte Grenzen gesetzt. Die Besonderheiten in den Anforderungen, die an das Bauelement im Einzelfall gestellt werden, sind so mannigfaltig, daß sie nur durch verschiedene, häufig sehr stark von einander abweichende Ausführungen zu erfüllen sind.

Das gilt einmal für Bauelemente gleicher Art für dieselben oder für ähnliche Verwendungszwecke, wie z. B. bei der Firma ERNST ROEDERSTEIN bei Kondensatoren mit Papier- oder Kunststoff-Dielektriken in runder oder flacher Form, die metallisierte oder nichtmetallisierte Beläge mit beiderseitig oder einseitig herausgeführten Anschlußdrähten aufweisen. Es bieten sich hier bereits jetzt nebeneinander nicht weniger als neun verschiedene Ausführungen an.

. . . . die fortschreitende Integrierung . . . .

Zum anderen gilt dies aber auch für im Grunde verschiedene Ausführungen, die für den gleichen Zweck verwendet werden können, z. B. Elektrolyt-Kondensatoren mit flüssigem bzw. pastenförmigem Elektrolyt und neuerdings auch mit festem Halbleiter sowie außerdem noch Tantal-Kondensatoren in der sogenannten Pillenform.

Noch nie war die Typenvielfalt so groß wie jetzt, und es sieht aufgrund der sehr verschiedenartigen Anforderungen an das einzelne Bauelement so aus, als ob sie in Zukunft nur noch größer werden wird.

Eine weitere Tendenz ist die fortschreitende Integrierung:

1. Stufe gedruckte Schaltung - Integration der Leiterbahnen
2. Stufe zusätzlich Widerstandsschichten - z. B. Dünn- oder Dickfilm
3. Stufe zusätzlich Kondensatoren - z. B. Glas oder Tantal-Dünnschicht, sodann eine Kombination der 3 Stufen zuzüglich diskreter Halbleiter, die zur Zeit als optimale Technik der integrierten Hybridschaltungen anzusehen ist.

Die Quelle war die Unterhaltungs-Elektronik

Parallel dazu reine Halbleiterschaltungen unter Verwendung passiver Bauelemente mit weiten Toleranzen und beschränktem Wertbereich auf Halbleiterbasis. Das Endziel, optimale Eigenschaften bei günstigem Preis, stellen Kombinationen von Vielfachhalbleiterschaltungen mit Netzwerk passiver Bauelemente - z. B. Dickschicht - dar.

Auch diese Entwicklung ist von den USA ausgegangen, während sie sich dort aber zunächst auf den militärischen und rein professionellen Bedarf beschränkte, ging in Westdeutschland das Interesse von Anfang an in besonderem Maße von dem Gebiet der Unterhaltungs-Elektronik aus. Mit welchem Erfolg bleibt abzuwarten, da gerade hierbei der Preis mehr als alles andere im Vordergrund steht.

Und wieder ein Irrtum von 1966

Hinzu kommt, daß mit katalogmäßigen Ausführungen nur wenig weiterzukommen ist, da die Anforderungen in elektrischer, wie auch in maßlicher Hinsicht von Fall zu Fall wechseln und somit die Grundvoraussetzung für eine rationelle Herstellung: die große Stückzahl, in vielen Fällen nicht gegeben sein wird.

Als ausgesprochener Sonderfall dürfte der Bedarf einer großen Computer-Firma für ein vor kurzem angelaufenes neues Gerät anzusehen sein.

Gerade hier zeigt sich deutlich, daß die Bemühungen, durch eine Einzellösung bei dem einen oder anderen Bauelement weiterzukommen, im Grunde nur noch wenig bringen. Für die Zukunft kann allein ein Gesamtprogramm, das die wesentlichen aktiven und passiven Bauelemente enthält, die Grundlage für Lösungen umfassender Art bieten.

Und "Trotzdem loben wir uns noch ein wenig . . ."

Die hierbei gesammelten Erfahrungen wurden bereits auf Miniatur-Bausteine mit diskreten Bauteilen übertragen. Ihre Weiterentwicklung unter Verwendung von Hybrid-Dickschaltungen ist im Begriff, ein Faktor auf dem Markt zu werden. Sie ließ sich nur dadurch erreichen, daß die FIRMENGRUPPE ROEDERSTEIN schon frühzeitig begann, neben Kondensatoren und Widerständen verschiedenartigster Ausführungen, auch aktive Bauelemente in ihr Programm einzubeziehen.

Durch ständige Verbindung mit Unternehmen in einer Reihe von Ländern, die Programme gleicher oder verwandter Natur aufweisen, ist sie bestrebt, den Forderungen der Zeit zu entsprechen.

Ernst Roederstein im April 1966

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