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1979 - ein verzweifelter Versuch, doch noch mitzuspielen

Die Telefunken TED Bildplatte war 1979 bereits auf ganzer Linie gefloppt bzw. gescheitert. Experten und sogar der im Hintergrund arbeitende Entwickler Dipl. Ing. Joschko hatte immer wieder gewarnt, daß dieses mechanische Konzept mit der erforderlichen Datendichte (für 10 Minuten Video in Farbe) überfordert sei. Mein Namensvetter und Technik-Chef bei Teldec Dipl. Ing. Horst Redlich wollte es einfach nicht wahr haben. Auch war die Abtastung mit der piezoelektrischen Gleitkufe sehr problematisch, und eben nicht verschleißfrei. Die Kufe im TED Player mußte periodisch nachgeschliffen werden. Der Hoffnungslauf war eine digitale Audio-Schallplatte. Doch auch die war - wie die herumgeisternde "neue digitale Disc" von Philips - nicht kompatibel zu irgend einem vorhandenen Produkt und nirgendwie nachrüstbar.

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Telefunken Mini Disc
Die neue Schallplatte von Telefunken

Nachdem Philips im Frühjahr (1979) seine neue digitale Compact-Schallplatte vorgestellt hat (siehe KLANGBILD 5/79, Seite 27), zeigte nun auch Telefunken seinen Entwurf der zukünftigen digitalen Schallplatte, die "Mini Disc", die wir hier etwas genauer vorstellen wollen.

Telefunken wollte wieder eine NORM definieren

DEZEMBER 1979 KlangBild SEITE 24
Diese Scheibe sollte mal der Rettungsanker von Telefunken werden
Der Prototyp der Telefunken Mini-Disc

Aufbauend auf die TED (Telefunken-Bildplatte), die mechanisch abgetastet wird, entwickelte die Teldec eine neue Audioplatte, deren Information digital aufgezeichnet wird (siehe hierzu KLANGBILD 8/78, Seite 20).

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Hierzu mußte man zuerst einen Standard - eine Norm - festlegen. Der gewählte Code sollte folgende Anforderungen erfüllen:
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  • hohe, aber nicht übertriebene Qualitätsanforderungen an die Übertragungstreue,
  • Kompatibilität mit den bei der Software-Produktion (z. B. der digitalen Bandmaschine) angewendeten Codes,
  • evtl. Kompatibilität mit Codes zukünftiger anderer Übertragungswege (z. B. PCM-Satelliten-Übertragung),
  • einfaches, aber ausreichendes Fehlerkorrektursystem, um die Gerätekosten in Grenzen zu halten.

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Das System Platte/Gerät sollte folgende Voraussetzungen erfüllen:
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  • möglichst kompakt, d. h. kleiner Plattendurchmesser,
  • Platte beidseitig bespielbar,
  • Spielzeit je Plattenseite mind. 45 min,
  • Adressierbarkeit (Nennung und damit Anwahl) einzelner Titel,
  • keine zu hohen Anforderungen an Toleranzen - besonders in der Plattenfertigung,
  • leichte Handhabung von Platte und Gerät,
  • hohe Lebensdauer von Platte und Abtaster.


Abgeleitet aus ihrer Arbeit auf dem Gebiet der Bildplatte schlagen AEG-Telefunken und Teldec die unten in der Tabelle 1 angegebenen Fakten als Standard vor.
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Tabelle 1

Codeparamenter  
Quantisierung 14 bit linear (214 = 16384Stufen)
Samplingfrequenz 48 kHz
Speichersystem  
Allgemeines PVC-Platte, beidseitig bespielt,
  piezo-elektrische Abtastung mit Rillenführung
Spielzeit 2x60 min
Frequenzumfang 20 Hz ..... 20 kHz mind. 85dB
Dynamik  
Störabstand mind. 85dB
Übersprechdämpfung mind.85dB
Gleichlauf quarzgenau
Klirrfaktor max. 0,05%

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Auch sollten mehr als 2 Kanäle möglich sein

Die weiteren Daten deszu wählenden Standards hängen davon ab, ob auch in Zukunft nur Stereowiedergabe gefragt ist, oder ob mehr als zwei Tonkanäle gewünscht werden. Aus diesem Grunde schlägt man zwei Versionen vor, die sich im Gebrauchsnutzen und damit auch im Geräteaufwand unterscheiden:

Die zwei Versionen

Standard A für zwei Kanäle (nur Stereobetrieb) und
Standard B für vier Kanäle. Ein Gerätekonzept für Standard B würde neben dem normalen Stereobetrieb noch folgende Besonderheiten zulassen:

  • • wahlweise Wiedergabe in Normaloder Kunstkopf-Stereofonie,
  • • getrennte Aufzeichnung der „Rauminformation", damit diese vom Benutzer - bei Lautsprecherwiedergabe je nach Größe und Schalleigenschaften seines Wohnraums oder für Kopfhörerempfang - individuell dem Stereosignal zugemischt werden kann,
  • • getrennte Aufzeichnung von Soloparts (Stimmen, Instrument), um eine individuelle Relation Orchester/Solopart vornehmen oder den Solopart selbst produzieren zu können (sogenannte „Minus one"-Schallplatten),
  • • Aufzeichnung der heute auf den Plattenhüllen abgedruckten Erläuterungen - wie Einführung in das Werk, Künstlerporträts etc. („akustischer Beipack"),
  • • je Plattenseite unter Ausnutzung der automatischen Adressierung 120 min Stereowiedergabe (Opern, Konzerte, Oratorien mit langen Spielzeiten),
  • • Quadrofonie mit hoher Kanaltrennung.


Aufgrund dieser Vorgaben entwickelte man das „Mini Disc"-System, ein digitales Schallplattensystem, bei dem die Platte, mechanisch piezoelektrisch abgetastet, die in Tabelle 2 angegebenen Parametererfüllt.
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Aufzeichnung und Herstellung der Platte

Bild 1 Der Schreiber für die Direktauf- zeichnung des digitalen Signals auf das Metall-Original
Bild 2 Hier sieht man deutlich den Größen- unterschied zwischen der Rille einer konventionellen Langspielplatte (links) und der neuen „Mini Disc".
Bild 3 So liegt die (Schutz-)Kassette mit „Mini Disc" im Abspielgerät. Der piezo-elektrische Abtaster tastet die Platte von unten ab.
Bild 4 Eine „Mini Disc"-Kassette kann das Programm von vier Langspielplatten aufnehmen

Die Aufzeichnung von PCM-Platten für das neue Dichtspeichersystem „Mini Disc" soll relativ einfach sein. So sollen gegenüber der berührungslosen Abtastung (z. B. mittels Laser) fünf Arbeitsgänge weniger erforderlich sein:

  1. die Belichtung im Reinraum,
  2. der Entwicklungsprozeß,
  3. danach die Versilberung,
  4. die Masterherstellung und
  5. die Verspiegelung nach der Pressung.


Hierbei ist zu bemerken, daß bei der piezo-elektrischen Abtastung die Aufzeichnung direkt auf ein Metallmaster erfolgt (Bild 1).

Das Bild 2 zeigt den Größenvergleich der Rillen einer konventionellen Schallplatte - LP - (links) und denen einer Platte von der Art der „Mini Disc". Die Platte selbst wird praktisch in der gleichen Weise (Pressung) und mit den gleichen Materialien (PVC) hergestellt, wie sie heute für die herkömmlichen Schallplatten angewendet werden.

Zusätzliche Einrichtungen - z. B. für Fotoprozesse bei der Masterherstellung oder Verspiegelung der gepreßten Platten wie bei der Philips- Compact-Schallplatte - sind nicht erforderlich.

Schutz notwendig

Allen Dichtspeichersystemen mit Berührungsabtastung ist gemeinsam, daß die Information in der Plattenoberfläche liegt. Obwohl z. B. Staubablagerungen keinen Einfluß auf den Abtastvorgang haben, ist die Platte gegen Fingerabdrücke oder Kratzer empfindlich.

Der notwendige sichere Schutz der Plattenoberfläche sowie weitere, das Konzept Platte/Gerät vereinfachende Konstruktionsmerkmale sind im „Mini Disc"- (MC-)System vereint:

Die Platte ist durch eine allseitig geschlossene Kassette geschützt, die nur im und durch das Abspielgerät in einem schmalen Bereich geöffnet wird. Die Abtastung geschieht von der Plattenunterseite (Bild3).

Im Zentrierbereich - gekennzeichnet durch einen eingepreßten Konus - enthält die Platte ferro-magnetisches Material. Sie wird beim Abspielen durch einen Magneten in den Zentrierring des Spielers hineingezogen und festgehalten. Selbstverständlich bewegt sie sich völlig frei in der Kassette.

Die Kassette soll auch zugleich die herkömmlichen Plattenhüllen ersetzen. Das Bild4 zeigt in der Mitte die Kassette mit „Mini Disc", die das komplette Programm der um sie herum angeordneten Langspielplatten speichern kann.

Bild 5 Die „Mini Disc" und die „Mikro Disc" im Größenvergleich. Bei nur 13,5 cm Durchmesser hat die neue „Mini Disc" eine Spielzeit von vier Lang- spielplatten. Der Durchmesser der neuen Digital-Schallplatte „Mikro Disc" beträgt nur 7cm. Sie hat die gleiche Spielzeit wie zwei herkömmliche Single-Platten
Bild 6 Designstudie für einen „Mini Disc"-Spieler

„Mini" und „Mikro" Disc

Analog zu den neben den Langspielplatten verfügbaren Singles hat man sich bei Teldec auch darüber Gedanken gemacht und außerdem eine „Mikro Disc" entwickelt. Sie hat die Spielzeit von zwei herkömmlichen Single-Platten. Das Bild 5 zeigt den Größenvergleich zwischen „Mini" und „Mikro" Disc": Die „Mikro Disc" hat einen Durchmesser von 7cm.

Telefunken weist darauf hin, daß sich wegen der Inkompatibilität (Austauschbarkeit und „ Verträglichkeit") mit der konventionellen Schallplatte und deren Abspielgeräten der Übergang auf die neue Technik nur allmählich vollziehen wird.

Das Bild6 zeigt eine Designstudie für einen MD-Spieler. Hier wird sogar der Titel des jeweils gespielten Musikstückes auf einem alphanumerischen Display angezeigt. Eine schöne Zukunftsmusik.
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Tabelle 2

Plattendaten Standard   A B
Anzahl der Kanäle   2 4
Durchmesserder Platte (mm) 125 135
Spurabstand (um) 1,67 1,67
Drehzahl (U/min) 300 300
Abtastgeschwindigkeit (m/s) 1,89 1,89
Wellenlänge (um) mind. 0,55 0,61
Bitrate (Mbit/s) 1,728 3,072
Speicherdichte (kbit/mm²) max. 1100 980

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Finaler Kommentar des Redakteurs Franz Schöler aus 1979

Wir meinen : Obwohl die Laser-Abtastung technisch die elegantere ist, finden wir es gut, daß sich auch ein Hersteller mit einem mechanischen Abtastsystem um die „Gunst der Zukunft" bewirbt. Vermutlich wird die mechanische Abtastung billiger sein als die mit Laser; und billige Plattenspieler müssen auch verfügbar sein. Störend ist jedoch die mechanische Empfindlichkeit der„Mini Disc".

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2021 - Meine Ergänzung des obigen Kommentars

Telefunken hatte es nie geschafft, weitere sogenannte globale Player mit ins Boot zu holen, etwa wie Philips, die hinter den Kulissen bereits 1980 mit SONY geliebäugelt hatten, allein wegen der Produktionskapazitäten und der zusätzlichen Verfügbarkeit von SONY-Music Schallplattenrechten. Die "Deutsche Grammophon Gesellschaft" gehörte bereits zu Philips. Im Zeitzeugengespräch hatte mir Herr Joschko in Berlin erzählt, daß er bereits 1972 die Grenzen dieser Abtastung "nach oben" gemeldet hatte. Nur hatte niemand drauf gehört. Also so kompetent war mein Namensvetter Horst Redlich auch nicht.

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