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Die Gründer von Infinty waren zu zweit (oder zu doch dritt ??)

1988 - Im AUDIO-Hörraum hatte Arnold Nudell gut lachen: Seine IRS Beta amtiert seit fast einem Jahr als Referenz-Lautsprecher.

von Gert Redlich im Aug. 2015 - Arnold Nudell und sein(e) Partner (Cary Christie und angeblich John Ulrich) hatten anfänglich feste hochbezahlte Jobs in der Flugzeugentwicklung (Hughes Aircraft) und 1966 offensichtlich immer noch genügend Zeit und Muße, sich um die Schwächen der Umwandlung von elektrischer Audio-Energie in akustischen Edel-Schall zu kümmern.

Wir sprechen hier von unseren Hifi-Lautsprechern.
Zur gleichen Zeit, als Professor Bose an der UNI an der neuen 901 laborierte, bastelten die beiden Infinity Entwickler an der (später so genannten) Servostatic 1. Zu der Zeit vor 1968 war AR mit der AR3 und der AR3a in den USA die Hifi-Referenz. JBL und ALtec bemühten sich zwar fleißig, denen diese Krone abzujagen, aber unerfolgreich.

Als der Erfolg kam, stiegen die beiden bei ihrem Arbeitgeber Hughes aus
und steckten alle ihre Kraft und Zeit und ihr Geld in ihre (Zweimann-) Hobby Firma "New Technology Enterprises" - später in Infinity Systems umfirmiert. Der Spaß am Erfolg stand vermutlich ganz oben, wie bei vielen Garagengründungen zu jener Zeit.

Irgendwann um 1968/69 oder 70 reichte das Kapital nicht mehr aus
, die Expansion zu finanzieren und ein Investor stieg mit ein. Herrmann Hoffmann - Infinity Importeur aus der Anfangszeit um 1970 - weiß mehr darüber. Irgendwann stiegen die (beiden ??) anderen Partner aus dem Boot aus. Der Investor verkaufte den Laden in 1982 wieder und zwar an die Harman Gruppe.

Arnold Nudell (um 1988 war er 52 Jahre) war zu der Zeit mal dabei und mal nicht mehr dabei, wie es seine Drogenprobleme ermöglichten. Am Ende war er nur noch das Aushängeschild für das Logo Infinity. Schaun sie nur in sein Gesicht auf den Fotos von 1988. - Ein halbes Jahr später "durfte" er endgültig gehen.

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Im Interview: Infinity-Chef Arnold Nudell (Audio 11/1988)

Gute Unterhaltung
Im Interview machte Lautsprecher-Entwickler Arnold Nudell (rechts) unserem AUDIO-Redakteur Ulrich Smyrek den Mund wässerig: Nächstes Jahr bringt Infinity die neue Superbox IRS Alpha.

Was die amerikanische Boxenschmiede Infinity in den nächsten Jahren auf die Beine stellen will, läßt aufhorchen.
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AUDIO: Wann kommt endlich Ihr neues Top-Modell, die sagenumwobene IRS Alpha?

Nudell: Oh Gott, die Beta hat mich zehn Jahre meines Lebens gekostet - und Sie fragen schon nach der Alpha.

AUDIO: Was gab's denn für Probleme mit der Beta?

Nudell: Abgesehen von drei Jahren Entwicklungszeit und Kosten von einer halben Million Dollar mußte ich jede Menge Detailprobleme in den Griff kriegen. Der winzige Beschleunigungsaufnehmer für die Baßregelung beispielsweise - er arbeitet in der Boeing 747 -war mit 500 Dollar unbezahlbar. In Japan stöberte ich dann ein fast ebenso gutes Teil für fünf Dollar auf.

AUDIO: Apropos Geld, was soll denn die Alpha kosten?

Nudell: Vielleicht doppelt so viel wie die Beta...

AUDIO: ...die immerhin 45 000 Mark kostet.

Nudell: Nun, die Alpha wird wesentlich aufwendiger: eine riesige Baßsäule mit integrierter Leistungsendstufe pro Kanal und dazu jeweils drei schlanke Türme mit getrennten Tiefmittel-, Mittel- und Hochtonsystemen. Als Treiber setzen wir wieder wie in der Beta unsere bewährten Foliensysteme L-EMIM, EMIM, EMIT und SEMIT ein.

AUDIO: Schaffen Sie's bis zum nächsten Sommer?

Nudell: Hoffentlich, zur Zeit bekomme ich die punktförmige Abstrahlcharakteristik der Baßeinheit und die zellenförmige Abstrahlcharakteristik der Tiefmittel-, Mittel- und Hochtonpaneele noch nicht ganz unter einen Hut.

AUDIO: Wird's auch neue, erschwingliche Boxen geben?

Nudell: Wir bringen im nächsten Jahr Nachfolger für die komplette 1000-Serie, also für die Modelle RS 1000 bis RS 6000, auf den Markt. Die Kappa-Reihe ist ja erst relativ jung und läuft wie die Feuerwehr - von der großen Kappa 9 beispielsweise verkaufen wir mehr, als wir bauen können.
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Neue Pfade beschreiten die Ameri- kaner künftig beim Bau kompakter Lautsprecher: Die Gehäuse der „InfiniTesimal"- Modelle sind aus resonanzarmem Synthetikmaterial gegossen.

AUDIO: Also keine spektakulären Neuheiten?

Nudell: Doch - zwei Miniboxen der High-End-Klasse. Die sollen unter 1.000 Mark pro Stück kosten und haben nichts mit gängigen Holzkisten gemein.

AUDIO: Also eine neuartige Gehäusekonstruktion?

Nudell: Eher neue Materialien. Wir gießen die Gehäuse in einem Stück aus Avenite einer synthetischen Mischung aus Plastik, Klebstoff und Granit. Diese Gehäuse haben keine Eigenresonanzen und sind im Vergleich zu Stein oder Marmor akustisch tot.

AUDIO: Wollen Sie nicht mal wieder für Ihre Boxen die passenden Verstärker bauen - wie 1976 das Modell in Class D-Schaltungstechnik?

Nudell: Reizen würde mich das schon, denn die Fakten sprechen für sich: 250 Watt aus zwei Transistoren, 50 Prozent Effizienz, aberwitzige Dynamik bei extrem geringen Verzerrungen. Aber ich arbeite gerade an einer echten Sensation.

AUDIO: Ein Verstärker?

Nudell:
Nein, ein komplettes System, das den Hörraum als akustischen Störenfried ausschaltet. Dabei registriert eine Elektronik über Mikrofone alle Störeinflüsse, die der Raum dem Klang der Abhörlautsprecher hinzufügt, und gibt diese Information digital, ohne Zeitverzögerung, an ein oder zwei Paar kleinere Zusatz-Boxen weiter. Die saugen dann ab, was der Raum der Musik andichtet. Und damit verschwinden endlich die Wände.

von Ulrich Smyrek im Winter 1988

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Nachtrag - 27. Juni 1989 - Arnold Nudell ist als Präsident von Infinty zurückgetreten (aus dem Englischen übersetzt)

Presse-Info :
Arnold Nudell ist als Präsident von Infinity-Systems, einem Hifi-Lautsprecher Hersteller in Chatsworth, zurückgetreten, den er als Mitbegründer vor 21 Jahren mit Cary Christie gegründet hatte, teilte das Unternehmen mit.

Executive Vice President Christie (44) ersetzte damit Nudell (52). Die Firma INFINITY, einer der größten Lautsprecherhersteller in USA, im Besitz von Harman International Industries, einem Audio-Produkte Vertrieb in Washington, wird auch weiterhin erfolgreich sein.

  • Anmerkung : Die Eigendarstellung, diese Firma sei die größte Lautsprecher- Fabrik bzw. -Hersteller in USA, das nehmen mindestens 5 weitere Firmen für sich in Anspruch. Das wird in den USA nicht mehr so genau genommen. Bei uns hier in Deutschland wäre das ein teurer Wettbewerbsverstoß gewesen und sofort gerichtlich geahndet bzw. kostenpflichtig abgemahnt worden.

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Christie sagte zu den Gründen für Nudells Verlassen "sie sind persönlich und wir lösen das auf diese Weise." Aber er sagte auch, sein Ausscheiden war kein interner Managementkampf. "Arnie und ich sind immer noch Freunde".
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Nachtrag : Nudell hatte diesen Erfolg und Reichtum nicht verkraftet, so das Gerücht und hatte es mit Drogen zu bewältigen versucht. Das ging voll daneben wie bei vielen Musikern und Künstlern.
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