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Fundierte Messungen an AUDIO-Kondensatoren

Hier haben wir zwei Fachrtikel vom Jan. 1987 und vom Nov. 1991 über die Mythen und Legenden von angeblich ganz speziell "getunten" Kondensatoren für aller edelstes Super- High-End- Audio gefunden. Im Internet finden Sie im Jahr 2022 die tollsten Storys von "Experten", die mit ihren selbst ausgewählten Kondensatoren ihre High-End Anlagen doppelt so toll gemacht hatten. Von Esoterik bis Scharlatanerie ist alles vertreten, nur keine handfesten Tatsachen. Und in der Audio-Technik kann man fast alles beweisen - nur keine Gefühle.

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AUDIO-KONDENSATOREN (in 1987) - Ein Kapitel für sich ......

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Grundig SV200

Einleitung : (2 alte Artikel aus Elektor)

Der erste Artikel aus der Elektor vom Januar 1987 :

Kondensatoren gibt es in vielen Ausführungen und Qualitäten. Bis vor einigen Jahren gab es kaum Untersuchungen über die Verwend- barkeit der unterschiedlichen Kondensator-Typen insbesondere in Audio-Schaltungen.

Im Moment (1987) herrscht vor allem in High-End-Kreisen eine wahre Kondensator-Manie: Heute scheinen Polypropylen- kondensatoren der Marke X ausgezeichnet zu klingen. Morgen wird ein Typ Y gefunden, der eine feinere Durchzeichnung des Klangbildes ergibt. Was ist eigentlich wahr an diesen Geschichten ?

Welche Kondensator-Typen für hochwertige Audioschaltungen

Denon-HA-500-MC- Edel-Preamp

Wir sind der Sache nun im Elektor-Labor einmal auf den Grund gegangen. Die Ergebnisse unserer Messungen wurden in erster Linie in die Wahl der Kondensatortypen für den PREAMP einbezogen. Wir möchten im folgenden nicht zu ausführlich werden, aber sie sollen doch wenigstens wissen, welche Kondensator-Typen für hochwertige Audioschaltungen geeignet sind und welche nicht.

Zur Zeit gibt es sehr viele Kondensatortypen auf dem Markt. Sie unterscheiden sich meistens durch das verwendete Dielektrikum:
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  1. Teflon,
  2. Polystyrol (KS oder MKS)
  3. Polypropylen (KP oder MKP),
  4. Polycarbonat (KC oder MKC),
  5. Polyethylen (KT oder MKT),
  6. Glimmer,
  7. Glas.

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Diese Reihenfolge entspricht auch der Qualität der Kondensatoren. Kondensatoren mit Teflon- und Polystyrol (STYRO-FLEX*) Dielektrikum sind im Prinzip die besten, sind aber auch am teuersten.
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Die Elektrolyt-Kondensatoren

Außer diesen "normalen" Kondensatoren gibt es für größere Kapazitäten Elektrolyt-Kondensatoren.

Man kann sie folgendermaßen einteilen:
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  1. ungepolte (bipolare) und
  2. gepolte Aluminium-Elkos (mit flüssigem oder festem Elektrolyten)
  3. (bipolare nur mit flüssigem Elektrolyten und rauher Anode),
  4. ungepolte und gepolte Tantal-Elkos mit flüssigem Elektrolyten.


Auch hier wieder in der Reihenfolge der Qualität. Allerdings ist die Qualität der bipolaren Elkos stark herstellerabhängig.
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Leistungsmessungen im Elektor-Labor

Ein Präzisions-Messgerät

Zunächst haben wir an verschiedenen Kondensatortypen Leistungsmessungen im Elektor-Labor durchgeführt. Dabei lag der Kondensator im Signalweg, und er war immer mit demselben Lastwiderstand abgeschlossen (bei gleichen Kondensatorwerten).

Die Ergebnisse waren erstaunlich: Mit unseren Meßgeräten (Meßgrenze etwa 0,005%) konnten wir keine Verzerrungen bis 50 kHz feststellen. Nur bei Tantal-Elkos lagen die Verzerrungen bei einigen Prozent.

Die sind also nicht als Koppelkondensatoren geeignet! Auch vor keramischen Kondensatoren möchten wir warnen, die sollten nur in HF-Schaltungen eingesetzt werden (siehe auch "Merkwürdige Kondensatoren", Elektor, September 1986).

Und der Rest?

Welche Unterschiede können außerdem meßtechnisch festgestellt werden? Die Herren Jung und Curl haben sich ein dynamisches Meßverfahren ausgedacht, bei dem verschiedene Faktoren in einem Rutsch gemessen werden können, unter anderem der Verlustfaktor und die dielektrische Absorption, zwei wichtige Parameter. Man nimmt bei diesem Verfahren zwei CR-Netz-werke (siehe Bild 1), die von einer niederohmigen Spannungsquelle mit einer Rechteckspannung gefüttert werden.

Die Ausgangssignale der CR-Netzwerke legt man an ein empfindliches Oszilloskop mit Differenzverstärker-Eingang. Dort werden die Signale subtrahiert, so daß das Meßergebnis ein Maß für den Unterschied der Parameter der beiden Netzwerke ist.

Wird also ein CR-Netzwerk (Anmerkung : ein Netzwerk aus Widerständen und Kondensatoren) mit einem Referenzkondensator aufgebaut (Teflon oder Polystyroldielektrikum), dann kann man in das andere CR-Netzwerk einen Testkondensator einsetzen, der mit dem Referenzkondensator verglichen wird. Das Differenzsignal ist gleichzeitig ein Maß für den Unterschied beider Netzwerke.

Der 100-Ohm-Widerstand gleicht den eventuell vorhandenen äquivalenten Reihenwiderstand des Testkondensators aus. Dabei geht man davon aus, daß der äquivalente Serienwiderstand des Referenzkondensators kleiner ist als der Widerstand des Testkondensators.

Das Prüf-Rechtecksignal muß eine sehr niedrige Frequenz haben, damit die Unterschiede gut sichtbar werden. 50 Hz sind ein guter Anhaltspunkt. Mit dieser Testschaltung ist es möglich, die Unterschiede deutlich aufzuzeigen, die wir auch quantifizieren können. Dabei müssen Sie daran denken, daß sich die prozentuale Abweichung auf den Mittelwert der Prüf-Rechteckspan-nung bezieht.

Die Unterschiede bestehen hauptsächlich in einer "Verbiegung" des rechten Teils des Rechtecks und einer abweichenden Sprungantwort.
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Unser Referenzkondensator

Als Referenzkondensator haben wir MKP- und Styroflex-Typen ausprobiert. Dabei gab es kaum Unterschiede. So wurde beschlossen, einen sehr guten MKP-Typ zu verwenden, weil der auch in größeren Werten erhältlich ist.

Hier also die wichtigsten Testergebnisse:

  • Alle KP- und MKP-Typen zeigten eine maximale Abweichung von 0,01%. Dieses Ergebnis erzielten auch die Styroflex-Typen und die sogenannten Wondercaps, spezielle Audio-Kondensatoren, die zu märchenhaften Preisen angeboten werden.
  • Die auch von uns häufig verwendeten MKT-Kondensatoren landeten auf dem zweiten Platz mit einer mittleren Abweichung von 0,03%. Das gleiche gilt auch für KC- und MC-Typen.
  • Auf dem letzten Platz tummeln sich Elkos und Tantal-Elkos mit Abweichungen von 1%. Das hängt stark vom Hersteller ab. Aber kein "Hersteller" kommt unter die 1%-Grenze, auch die bipolaren Elkos nicht.


Das waren die Meß-Ergebnisse (in 1987 !!).
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Macht eine Parallelschaltung Sinn ?

Nun könnten Sie auf die Idee kommen, Elkos und gute "normale" Kondensatoren parallel zu schalten. Das bringt nichts! Die Parallelschaltung verhält sich (impulsmäßig) wegen der Ladungserhöhung im Dielektrikum nicht besser als der Elko.

Dieses Verfahren verbessert lediglich das HF-Verhalten eines Elkos. Sie werden wohl nun verstehen, daß wir für den Elektro-Bausatz PREAMP (wird hier auch noch vorgestellt) nur Koppelkondensatoren aus der P-, C- und T-Familie verwendet haben.

Sie finden an den Koppelstellen zwei Kondensatoren parallelgeschaltet : einen 10uF-MKT-Typ und einen 4,7uF-MKP-Typ.

Auch das HF-Verhalten dieser Schaltung ist ganz ausgezeichnet. Schließlich ein vielleicht ganz überflüssiger Hinweis: Natürlich können Sie die Kondensatoren (auch in Parallelschaltungen) für Ihren PREAMP verwenden, die Sie für die besten und am besten klingend halten.
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AUDIO-KONDENSATOREN (der 2. Artikel - aus 1991)

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Auswahl von Kondensatortypen für Audioschaltungen

Ein langer ausführlicher Artikel in Elektor 11/91
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Einleitung

Daß die Klangqualität von Audiokomponenten nicht nur von Schaltungstechnik und Eigenschaften der eingesetzten Halbleiter abhängt, sondern auch von Kondensatoren im Signalweg, haben Sie bestimmt schon einmal gehört.

Doch welcher Kondensatortyp und welches Fabrikat für welchen Zweck geeignet ist, war bisher eher Meinungs- und Ansichtssache denn harte Tatsache. Die Antwort von Elektor: fundierte Meßergebnisse und Tips für die Praxis.
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Was zählt sind die Klangeigenschaften

Wer sich einen Verstärker kauft, der interessiert sich unter anderen Aspekten vor allem für dessen Klangeigenschaften. Und das ist auch richtig so. Was zählt, ist schließlich das klangliche Resultat.

Baut man sich so ein Gerät aber selbst, interessiert zunächst einmal, wie man zu einem guten Resultat kommt. Ein Verstärker bespielsweise besteht aus etlichen klangrelevanten Teilen. Neben der schon erwähnten Punkten Schaltungstechnik und Halbleitereigenschaften sind Netzteil, Aufbau, Kabel und Stecker sowie signalführende Kondensatoren für den Klang mitverantwortlich.

Gerade den Kondensatoren wird häufig zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Dabei sind sie in jedem Gerät zu finden, das etwas mit Tonübertragung zu tun hat - vom CD-Spieler bis zur Lautsprecherbox.
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Das neue Credo - möglichst keine Kondesnatoren

Im High-End-Bereich gibt es unterschiedliche Reaktionen auf diese Problematik. Während einige auf ganz bestimmte Kondensatoren schwören, ohne dies objektiv (meßtechnisch) begründen zu können, sind andere Hersteller dazu übergegangen, Kondensatoren aus möglichst allen signalführenden Verbindungen zu entfernen.

Doch diese Strategie (DC-Technik) hat nicht nur ihre Schattenseiten, sondern bei bestimmten Aufgaben, wie bei Filtern und Frequenzweichen, ein jähes und prinzipbedingtes Ende.

Man muß also mit Kondensatoren leben und es bleibt letztlich nur, sich die geeigneten Typen für die jeweilige Aufgabe auszusuchen. Wenn man weiß wie, kann man mit diesem Wissen nicht nur gute Verstärker bauen, sondern auch industriell gefertigte Geräte klanglich optimieren.

Kaum meßtechnisch fundierte Untersuchungen

Doch mit diesem Wissen steht es bisher nicht zum Besten. Leider existieren kaum meßtechnisch fundierte Untersuchungen, dafür aber umso mehr subjektive Meinungen und fragwürdige Faustregeln.

Die Kondensatorproblematik ist auch im Elektor-Labor schon eine geraume Zeit Stoff für Diskussionen und Überlegungen. Daraus resultierte schließlich die Suche nach harten Fakten in umfangreichen Meßreihen.

So wurde bereits im Rahmen des 1987 erschienenen Beitrags "The Preamp" die Auswahl von Kondensatoren eingehend erörtert. Im kürzlich erschienenen Sonderheft Elektor Plus 13 ("HiFi-Boxen") findet sich eine auf Frequenzweichen ausgerichtete ausführliche Untersuchung von Kondensatoren.

Davon ausgehend haben wir in weiteren Messungen speziell die Eigenschaften von Kondensatoren in Audio-Schaltungen untersucht. Hier also die neuesten Ergebnisse des Elektor-Labors zum Thema Audio-Kondensatoren :

Der real existierende Kondensator

Der prinzipielle Aufbau eines Kondensators ist wohl bekannt: zwei leitende und voneinander isolierte Flächen. Die Kapazität wird einerseits vom mechanischen Aufbau, der Fläche der Kondensatorplatten und Dicke der Isolationsschicht (des Dielektrikums) und andererseits von den Eigenschaften des Isolationsmaterials (Dielektrizitätskonstante) bestimmt:

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wobei (C = Kapazität in Farad, er = relative Dielektrizitätskonstante, A = Plattenoberfläche in m2, d = Abstand der Platten in m)

Das Isolationsmaterial hat also direkten Einfluß auf die Kapazität. Die Dielektrizitätskonstante von Polyester beträgt beispielweise ca. 3, die von Tantaloxid ca. 11. Die Dicke und die Isolationseigenschaften des Dielektrikums bestimmen die Spannungsfestigkeit des Kondensators. Deshalb hat ein Kondensator für höhere Spannungen bei gleicher Kapazität und gleichem Dielektrikum stets größere Abmessungen als die Niedervoltvariante.

Was den Kondensator aber als Bauteil interessant macht, ist sein frequenzabhängiges Impedanzverhalten. Der kapazitive Widerstand hängt umgekehrt proportional von der Frequenz ab:

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Und hier wird es technisch für Schaltungs- Spezialisten

Der Impedanzverlauf eines Kondensators in Abhängigkeit von der Frequenz entspricht bei (doppelt) logarithmischer Skala einer fallenden Geraden. Theoretisch müßte diese Gerade bis auf 0 Ohm abfallen - praktisch bleibt natürlich auch bei hohen Frequenzen eine (kleine) Impedanz übrig.

In dem Frequenzbereich, bei dem der Kondensator niederohmig wird (wenige Ohm), beginnt auch das Eigenleben eines Kondensators. Da ein realer Kondensator aus realen Materialen gebaut ist, hat er zumindest noch einen ohmschen Widerstand, der auf den stromleitenden Eigenschaften und den Abmessungen der Anschlußdrähte und der Platten beruht.

Kleiner als dieser ohmsche Widerstand kann die Impedanz schon mal nicht werden. Außerdem hat das reale Isolationsmaterial noch etliche störende Phänomene an sich.

Das erste ist ein kleiner Leckstrom, der sich vor allen Dingen bei höheren Spannungen und besonders bei Elkos bemerkbar macht. Dazu kommt dann noch als nicht zu vernachlässigendes Element eine Selbstinduktion, bedingt durch den Aufbau und die Induktivität der Anschlußdrähte.
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Also erklären wir mal, was es damit auf sich hat ....

Bild 1. Das Ersatzschaltbild eines "realen" Kondensators. Außerdem ist das zugehörige Vektordiagramm abgebildet.

Bild 1 zeigt ein sogenanntes Ersatzschaltbild, in dem versucht wird, den relevanten nichtidealen Eigenschaften eines Kondensators Rechnung zu tragen. Bei "Rs" handelt es sich um den schon erwähnten ohmschen Widerstand, der von den Anschlußdrähten und den Platten verursacht wird. Den denkt sich die "electronic Community" in Serie zur eigentlichen Kapazität C.

RP repräsentiert den Leckstrom der Isolation und sitzt deshalb parallel zu C. Ls steht für die real vorhandene Induktivität des Kondensators, die aus der Induktivität der Anschlußdrähte, der Art und Weise der Verbindung mit den Platten und der Form und dem Aufbau der Platten (oft gerollt) resultiert.

Diese Induktivität kann man sich vereinfacht als in Serie zu C und Rs geschaltet denken. Bleiben noch RDA und CDA (gestrichelt gezeichnet) parallel zu C. Diese Komponenten repräsentieren eine weniger bekannte, aber gravierende Unzulänglichkeit von Kondensatoren, nämlich die Auswirkung der sogenannten Dielektrischen Absorption (DA).

Es handelt sich dabei im wesentlichen um Effekte der Ladungsträgerverschiebung im Dielektrikum. Diese Prozesse haben gegenüber der normalen Ladung und Entladung des Kondensator zeitverzögernde Wirkung - unter anderem deshalb auch Auswirkungen auf den Klang.

Es gibt sogar Hersteller, die in Datenblättern Angaben zur DA ihrer Kondensatoren machen, doch ist das leider immer noch die Ausnahme.
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Die "nichtidealen" Eigenschaften von Kondensatoren

Bild 2. Der Impedanzverlauf eines guten 2,2-juF-MKP-Kondensators. Bis zu einigen hundert Kilohertz verhält er sich beinahe ideal.

Einige der Auswirkungen der "nichtidealen" Eigenschaften von Kondensatoren zeigt Bild 2 am Beispiel des Impedanzverlaufs eines realen 2,2uF Kondensators. Bis ca. 200 kHz nimmt der Impedanzverlauf nahezu ideal stetig ab. Bei 900 kHz ist ein eigenartiges Minimum zu beobachten. Dieser Sachverhalt läßt sich nur aus der Resonanz des Serienschwingkreises aus Ls und C erklären. Die Impedanz in diesem Punkt entspricht dem ohmschen Widerstand Rs. Oberhalb von 2 MHz verhält sich der Kondensator einwandfrei wie eine Induktivität (Ls).

Kondensator-Daten

Für die Praxis wichtig ist, welche Angaben aus Datenblättern relevant sind und wie sie zu interpretieren sind. Zu diesem Zweck folgt nun eine kleine Aufstellung, aus der man ersehen kann, worauf geachtet werden sollte:
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  • Der tan delta (δ) oder Verlustfaktor D gibt die Verluste an, die von Rs verursacht werden. Er sollte möglichst klein sein. Je mehr Nullen hinter dem Komma, desto besser. Besonder bei Kondensatoren für passive Frequenzweichen ist wegen der niedrigen Lautsprecherimpedanzen auf diesen Punkt zu achten. In elektronischen Schaltungen, bei denen ein Kondensator mit Widerständen im kQ-Bereich kombiniert wird, ist er weniger relevant. Zu beachten ist noch, daß dieser Wert frequenzabhängig ist (delta (δ) = D = 1/Q = 2pifCRs). Bei großen Elkos wird Rs oft auch getrennt angegeben.
  • In selteneren Fällen hat der Hersteller auch noch den Wert der DA angegeben. Auch hier gilt: je kleiner, desto besser. Die DA wird - wenn überhaupt - bei Folienkondensatoren aufgeführt.
  • Der Isolationswiderstand Rp ist normalerweise sehr groß (Bereich 10 hoch 3 MOhm). Für Audiozwecke spielt er kaum eine Rolle.
  • Der Leistungsfaktor, englisch Power Factor PF, hat wieder etwas mit Rs zu tun (PF = sin delta (δ) = Rs/Z).
  • Das Temperaturverhalten wird meistens global für ein bestimmtes Dielektrikum angegeben. Bild 3 stellt diesen Zusammenhang für mehrere Materialien dar.
  • Die Kapazitätsangaben beziehen sich außer bei HF-Typen meistens auf eine Frequenz von 1 kHz. Die Toleranz der Kapazität ist für Filter, Frequenzweichen, und Oszillatoren, weniger jedoch für Koppelkondensatoren von Bedeutung.
  • Zur Spannungsfestigkeit läßt sich lediglich sagen, daß dieser Wert sowohl für Wechsel- als auch für Gleichspannung angegeben werden kann. Selbstverständlich sollte die nominale Spannung des Kondensators immer absolut höher als die höchste auftretende Spannung sein.

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Kondensatortypen

Bild 3. Der Temperaturgang verschiedener Kondensatorarten.

Da es hier um Audioanwendungen geht, sind Kondensatortypen mit kleinen Kapazitäten für den HF-Bereich weniger interessant, keramische Kondensatoren und Glimmerkondensatoren fehlen daher in der Aufstellung. Übrig bleiben:
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  1. Papierkondensatoren
  2. Elektrolytkondensatoren
  3. Folienkondensatoren

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Papierkondensatoren

Papierkondensatoren sind eigentlich nur von historischem Wert. In Lautsprecherboxen sowjetischer Herkunft sollen heute noch welche zu finden sein. Im Westen allerdings sind sie kaum noch zu bekommen. Die Qualität von Papierkondensatoren kann allerdings recht gut sein.

Elkos

Elkos (die mit viel Kapazität im Alubecher) sind audiomäßig eher zweite Wahl. Ihre Toleranzen sind verhältnismäßig riesig, doch sind sie preiswert (viele uF/DM) und deshalb vor allem in passiven Frequenzweichen für Lautsprecherboxen recht häufig zu finden, da man dort große Kapazitäten braucht. Man kommt auch in Netzteilen von Audiogeräten nicht ohne sie aus.

Bauartbedingt gibt es drei Typen: "rauhe", "glatte" und Tantal-Elkos. Ob rauh oder glatt spielt für deren Klangeigenschaften nicht unbedingt eine Rolle. Glatte Elkos haben zunächst einmal lediglich geringere Kapazitätstoleranzen, aber auch geringere Kapazitäten.
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Tantalkondensatoren

Tantalkondensatoren sollten wegen diverser halbleiterartiger Effekte besser nicht mit Tonsignalen in Berührung kommen.
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Folienkondensatoren

Bleiben noch die Folienkondensatoren, die sich nach dem verwendeten Dielektrikum - einer metallbedampften hauchdünnen Kunststoffolie - unterscheiden lassen:
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  • Polyesterkondensatoren (Mylarfolie) bzw. solche aus Polyäthylenterephtalat (MKT) sind sicher die gebräuchlichsten Folienkondensatoren. Sie sind preiswert und ausgewogen in den Eigenschaften, ihre Abmessungen halten sich noch in vernünftigen Grenzen.
  • Polykarbonatkondensatoren (MKC) sind nicht so häufig anzutreffen. Sie haben etwas bessere Eigenschaften als Polyestertypen - vor allem was den Temperaturgang betrifft.
  • Polypropylen (MKP) ist nochmals etwas besser als Polykarbonat, die Abmessungen sind aber wesentlich größer als bei den zuvor genannten Folienkondensatoren.
  • Polystyrolkondensatoren (Styroflex, MKS) sind die mit den besten Audioeigenschaften. Allerdings sind sie recht groß im Verhältnis zur Kapazität und kaum in größeren Kapazitätswerten als 470 nF zu bekommen.

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Messen - was, wie, womit?

Damit Sie auch sehen können, daß auf die vorliegenden Meßergebnisse Verlaß ist: die Messungen wurden sämtlich mit unserem eigenen Audio-Analyzer vom Typ Audio Precision System One und einem genauen LCR-Meter vom Typ HP4284A durchgeführt (letzteres wurde uns für diesen Zweck freundlicherweise von Hewlett Packard zur Verfügung gestellt). Beide Geräte sind so ziemlich das Beste, das für Audiomessungen zu haben ist.

Tabelle 1 zeigt die wichtigsten Meßergebnisse.

Soweit möglich wurden die Messungen an den verschiedenen Kondensatortypen bei gleicher Kapazität von 2,2 uF vorgenommen. Es wurden, schon um Ausreißer auszusortieren, selbstverständlich jeweils mehrere Exemplare untersucht. Die Ergebnisse beziehen sich auf die jeweils besten Exemplare. Die Reihenfolge der Kondensatoren ist alphabetisch. Von links nach rechts finden Sie :

  1. die effektive Kapazität C bei 1 kHz,
  2. den Verlustfaktor tan delta bei 100 Hz, 1 kHz und 10 kHz,
  3. die harmonischen Verzerrungen bei 250 Hz in der Schaltung eines Hochpasses mit einem Abschlußwiderstand von 100 Ohm,
  4. die dielektrische Absorption, welche durch folgendes Verfahren gemessen wurde: der Kondensator wurde fünf Minuten mit einer Gleichspannung von 1,5 V geladen, danach für drei Sekunden kurzgeschlossen und anschließend mit einem Voltmeter (Ri = 50 MOhm) die Restspannung ermittelt. Dieses Verfahren weicht zwar von der "offiziellen" Meßvorschrift nach MIL-C-19978-D ab, gibt aber unserer Meinung nach einen besseren Aufschluß über das Verhältnis von RDA zu CDA.


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Tabelle 1. Die gemessenen Kondensatoren.

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Marke und Typ Mess-   tan delta   THD (%) DA (%)
(Nenn-Kapazität 2,2uF Wert       (250 Hz,  
oder Angabe) in uF 100_Hz 1_kHz 10_kHz 3Veff)  
             
MKP            
Celm, CRS, 160V 2,24 0,0004 0,0002 0,0026 <0,001 0,01
Chateaux Roux, PC220St, 250V 2,19 0,0002 0,0003 0,0017 <0,001 0,01
Eton Cap, 100/160V 2,21 0,0002 0,0002 0,0015 <0,001 <0,01
Intertechnik, 2163, 250V 2,19 0,0002 0,0002 0,0014 <0,001 0,01
Rifa, PHE420, 160V« 2,20 0,0001 0,0002 0,0017 <0,001 <0,01
Ropel Block, PGP, 160V 2,19 0,0001 0,0003 0,0016 <0,001 <0,01
Ropel rund, PSR, 250V 2,30 0,0002 0,0003 0,0023 <0,001 <0,01
Solen, MKP-FC, 250V~ 2,22 0,0002 0,0002 0,0015 <0,001 <0,01
             
Diverse Dielektrika:            
Wonder Cap 2uF, 7502A, 425V 2,14 0,0002 0,0007 0,0065 <0,001 <0,01
Ero Polykarb., MKC1862, 100V = 2,19 0,0006 0,0010 0,0031 <0,001 0,03
             
MKT:            
Ero, 1822, 250V = 2,26 0,0017 0,0046 0,011 <0,001 0,05
Intertechnik, 2210, 100V 2,20 0,0017 0,0041 0,0099 <0,001 0,11
Matsushita, 400V 2,14 0,0019 0,0049 0,011 <0,001 0,05
Monacor, 250V 2,17 0,0017 0,0044 0,010 <0,001 0,09
Philips, 344, 100V 2,12 0,0018 0,0046 0,012 <0,001 0,09
Siemens, B32523 (blau), 100V 2,03 0,0017 0,004 0,0096 <0,001 0,06
Siemens, B32563 (nackt), 100V 2,28 0,0018 0,0046 0,011 <0,001 0,11
Visaton, 250V 2,07 0,0015 0,0037 0,009 <0,001 0,08
             
Elko's:            
Philips (Standard), 63 V 2,37 0,047 0,058 0,35 0,025 1,6
Roe (Standard), 63V 2,62 0,022 0,054 0,24 0,015 2,1
Visaton bipolar, glatt, 35V~ 2,21 0,069 0,053 0,052 0,012 3,3
Visaton bipolar, rauh, 100V 2,32 0,024 0,08 0,117 0,003 0,63
Wego bipolar, glatt, 35V~ 2,15 0,052 0,042 0,036 0,011 2,5
             
Abweichende Kapazitäten:            
Efko MKT 22uF, 100V = 22,1 0,0018 0,0057 0,022 - 0,16
Elcap bipolar, 30uF, 50V 31,5 0,027 0,074 0,5 - 5,7
intertech. bipolar, glatt, 47uF, 40V 47,2 0,013 0,017 0,081 - 7,8
Roe bipolar, glatt, 3,3 MF, 40V~ 3,28 0,021 0,017 0,037 - 2,9
Siemens Styroflex KS 47 nF, 63V 46,8 n 0,0001 0,0001 0,0001 - <<0,01
Visaton bipolar, glatt, 100uF, 35V~ 103,4 0,022 0,046 0,307 - 12,1
Wima MKP4 4,7uF, 160V= 4,50 0,0002 0,0004 0,0028 - 0,02

Tabelle 1. Die wichtigsten Resultate der Messungen an einer Reihe von Kondensatoren verschiedener Marken.
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Aus den Ergebnissen ist ersichtlich ......

..... , daß die Unterschiede zwischen verschiedenen Fabrikaten mit dem gleichen Dielektrikum gering sind. Es sind also Zweifel angebracht, ob ein teurer Kondensator wirklich besser als ein billiger der gleichen Klasse ist.

Außerdem sind sich etliche Fabrikate verdächtig ähnlich - sowohl äußerlich als auch meßtechnisch. Vermutlich gibt es doch weniger tatsächliche Hersteller, als Firmen existieren, die lediglich ihren Namen aufstempeln (lassen).
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Was noch auffiel:

Unabhängig vom Preis waren bei einigen Marken doch Ausreißer mit deutlich schlechteren Resultaten zu finden. Ohne aufwendigen Meßpark (siehe oben) läßt sich das leider nur schlecht kontrollieren und so bleibt einem in der Regel nur die Hoffnung, die guten Exemplare zu erwischen.

Mit der dielektrischen Absorption liegt es vor allen Dingen bei den Elkos (wohl prinzipbedingt) im argen. Höchstwahrscheinlich ist das auch der Grund für deren schlechten Klang. An den harmonischen Verzerrungen zumindest läßt sich das nicht direkt ablesen. DA und THD stehen nämlich in keinem unmittelbaren Verhältnis zueinander.

Was Ihnen in der Tabelle vielleicht auffällt :

Die großen Kapazitätswerte stammen eher von etwas exotischeren Firmen, die sich im Bereich des Lautsprecher-Selbstbaus tummeln.

Die großen Kondensatorhersteller haben diese Werte nämlich nur selten im Programm, stellen sie aber dennoch her - und zwar im Auftrag dieser kleinen Firmen. Die vermarkten diese Kondensatoren dann unter eigenem Namen. Einige der kleinen Firmen stellen aber auch speziell diese Kondensatoren her. Einen 10uF-Folienkondensator als Ausgangskondensator für den CD-Spieler anstelle des üblichen Elkos (!) bekommt man daher am ehesten bei solch einem Spezialhersteller.

Die Induktivität der getesteten Kondensatoren war generell vernachlässigbar klein (< 50 nH bei den 2,2uF-Typen, der größte Teil geht wohl aufs Konto der Anschlußdrähte) und ist deshalb in der Tabelle gar nicht erst aufgeführt.
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Eine Qualitätsrangfolge läßt sich anhand der Tabelle recht einfach erstellen:

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  • Auf den ersten Platz kommen die MKP-Typen (Polypropylen) mit recht geringen Unterschieden innerhalb der Gruppe.
  • Auf dem zweiten Platz landen die MKT-Typen (Polyäthylenterephtalat) mit ebenfalls geringer Streuung.
  • Dazwischen befinden sich noch noch die Spezialtypen Polycarbonatkondensator (MKC, deutlich bessere Werte als die MKT-Gruppe, aber kaum zu bekommen) und Wondercap (verdient eigentlich die Disqualifikation - nicht wegen schlechter Werte, sondern wegen des hohen Preises von über 40.- DM für das getestete Exemplar).
  • Der Wondercap ist wegen der hohen Spannungsfestigkeit am ehesten noch für Röhren Verstärker interessant (bei denen es auf ein paar Mark auch nicht so ankommt ...).
  • Wie zu erwarten bilden die Elkos das Schlußlicht. Deren Qualität ist stark abhängig von Marke und Typ. Die glatte Ausführung ist nicht unbedingt besser, aber sicher teurer als die rauhe.

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Eigentlich könnte an dieser Stelle Schluß sein, oder? Natürlich nicht! Denn ein guter Kondensator alleine genügt nicht. Man sollte auch noch wissen, wie und wo er vernünftig eingesetzt wird.
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Und darum : Der richtige Einsatz

Bei hohen Qualitätsansprüchen gilt folgende Faustregel: alles muß aus dem Signalweg raus, das nicht unbedingt notwendig ist.

Dabei muß man aber doppelt hinschauen. Bauteile in der Gegenkopplung eines Verstärkers oder Opamps beispielsweise haben natürlich auch einen Einfluß auf die Signalqualität, auch wenn man sie im Signalweg nicht direkt sieht.

Beim Netzteil spielen zwar andere Faktoren eine Rolle, aber dennoch ist es sinnvoll, die Elkos mit einem Folienkondensator in der Größenordnung 470nF bis 1uF zu überbrücken, um deren Hochfrequenzverhalten zu verbessern.

Ein kleinerer Wert (z.B. 100nF, wie häufig zu sehen) lohnt eigentlich nicht, da der Effekt zu gering ist.
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zu Bild 4

Bild 4. Messung der harmonischen Verzerrungen in Abhängigkeit von der Frequenz.

Um zu zeigen, welche Unregelmäßigkeiten bei Kondensatoren sonst noch auftreten können, ist in Bild 4 ein Hochpaß mit einer Grenzfrequenz von 400 Hz gezeichnet. Die Belastung ist mit 150 Ohm mit Absicht etwas niederohmig gewählt, um die Minuspunkte der Kondensatoren etwas deutlicher heraustreten zu lassen (bei einer hochohmigeren Schaltung sind die Verzerrungen kleiner).

Interessant ist hier besonders der Bereich unterhalb der Grenzfrequenz, weil hier die Impedanz des Kondensators und damit die an ihm liegende Spannung groß wird. Naturgemäß finden sich hier auch höhere Verzerrungen.

Zu Bild 5

Bild 5. Die harmonischen Verzerrungen in Abhängigkeit von der Frequenz bei verschiedenen Kondensatorarten. Von oben nach unten: Tantalkondensator, gewöhnlicher Elko und MKT-Kondensator.

In Bild 5 sind die harmonischen Verzerrungen von drei Kondensatorarten dargestellt: MKT, Elko und Tantalkondensator. Der Tantalkondensator produziert extrem hohe Verzerrungen bis weit über die Grenzfrequenz und ist damit praktisch unbrauchbar.

Der Elko benimmt sich hingegen schon manierlicher, der MKT ist hingegen praktisch verzerrungsfrei. Vom kleinen Verzerrungsrest beim MKT sollten Sie sich nicht beeindrucken lassen. Der liegt zugegebenermaßen partiell an der Meßanordnung und außerdem deutlich unterhalb der Grenzfrequenz.
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Diese Grafik lehrt uns folgendes:

Die Grenzfrequenz sollte man beim Koppelkondensator (z.B. am Eingang eines Verstärkers) lieber auf 1 Hz statt auf frequenzgangmäßig ausreichende 10 Hz dimensionieren.

Der Bereich, der dann noch vorhandenen Verzerrungen liegt so auf jeden Fall außerhalb des Audiofrequenzbereichs.

Dabei gilt es jedoch zu beachten, daß das Ersetzen etwa eines 2,2uF- Elkos durch ein Exemplar mit 100uF nicht unbedingt sinnvoll ist.

Zwar liegt dann ebenfalls der Großteil der Verzerrungen bei tiefen Frequenzen, aber Elkos haben bei größeren Kapazitäten insgesamt mehr Verzerrungen.
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Zu Bild 6

Die bessere Lösung ist allemal die Verwendung eines 2,2uF-Folienkondensators. Da das aus Platzgründen leider manchmal nicht zu machen ist, gibt es noch einige gebräuchliche "Schaltungsarten" von Elkos (Bild 6), die weniger Verzerrungen aufweisen sollen.

Bild 6. Gebräuchliche Schaltungs-
varianten von Elkos.

Die unterschiedlichen Ergebnisse finden sich in Bild 7 und Bild 8.
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Zu Bild 7 und Bild 8

In Bild 7 und Bild 8 können Sie sehen, was davon zu halten ist. Die Eingangsspannung wurde bei diesen Messungen auf 2 Veff erhöht, um die Unterschiede besser zu zeigen.

Bild 7 zeigt zunächst die Verzerrungskurve eines einzelnen Elkos (wie in Bild 4). Eine Antiparallelschaltung wie in Bild 6b hat weniger Verzerrungen, aber den Nachteil, daß sie nur bei Wechselspannungen von wenigen Volt arbeiten kann und daß praktisch keine Gleichspannung anliegen darf. Keine besonders nützliche Variante also.

Die Variante von Bild 6c zeigt eine Antiseriellschaltung; im Prinzip das gleiche wie ein bipolarer Elko. Allein die Verzerrungen der bipolaren Elkos differieren stärker.
Normalerweise steht an einem Koppelkondensator eine Gleichspannung - die sich auf das Verhalten von Elkos positiv auswirkt.

Mit einer Gleichspannung von 5V am Elko wie in Bild 6d vermindern sich die Verzerrungen deutlich (Bild 8). Derselbe Trick bringt auch bei der Antiseriellschaltung (Bild 6e) noch eine (geringe) Verbesserung. Verwirklicht wird dies mit einem Widerstand von z.B. 100 kOhm, der mit einer negativen Hilfs- oder Betriebsspannung verbunden ist.

Bild 7. Die harmonischen Verzerrungen pro Schaltungsvariante nach Bild 6. Von oben nach unten: einzelner Elko (6a), Antiparallelschaltung (6b) und Antiserie/Ischaltung (6c).
Bild 8. Vervollständigung von Bild 7. Von oben nach unten: einzelner Elko (6a), Elko mit Gleichspannung (6d) und Antiseriellschaltung mit Gleichspannung (6e).

Zu Bild 9

Bild 9. Die Verzerrungen eines Elkos und eines MKP-Kondensators bei 500 Hz in Abhängigkeit von der Größe der Wechselspannung.

Bild 9 zeigt die Verzerrungen in Abhängigkeit von der (Wechsel-) Spannung. Verglichen werden ein Elko und ein MKP-Kondensator bei einer Frequenz von 500 Hz und einer Eingangsspannung zwischen 0,5 V und 10 V. Es zeigt sich deutlich, daß die Verzerrungen beim Elko mit der Größe der Signalspannung zunehmen. Besonders wichtig ist dieser Zusammenhang für Röhrenverstärker, wo ja bekanntlich hohe Wechselspannungen auftreten.

Bei diesen Messungen wurden lediglich die harmonischen Verzerrungen berücksichtigt. Einerseits sind das die wesentlichen Verzerrungen, die bei Elkos auftreten, andererseits klingen diese für das menschliche Ohr besonders störend.

Außer den harmonischen gibt es noch andere Verzerrungsarten, so z.B. die Resultate der DA. Diese verursachen Abweichungen im dynamischen Verhalten und so ein "getrübtes" Klangbild bei niedrigeren Frequenzen (klarer läßt sich das unserer Meinung nach nicht sagen).

Noch ein paar Bonbons : Zu Bild 10

Bild 10. Der Impedanzverlauf eines gewöhnlichen 2,2-fuF-Elkos. Oberhalb 20 kHz verhält er sich wie ein 2-Q-Widerstand.

Bild 10 zeigt den Impedanzverlauf eines durchschnittlichen Elkos mit 2,2uF. Ziemlich "nichtideal", nicht? Oberhalb 20 kHz bleibt die Impedanz bei ca. 2 Ohm hängen. Für hochohmige Verstärkerschaltungen spielt das zwar keine Rolle, aber gerade bei niederohmigen Frequenzweichen umso mehr.

Hier wäre es sinnvoll, einen Folienkondensator parallel zu schalten. Bild 11 zeigt nun auch die Auswirkungen eines parallelgeschalteten 220nF-MKT-Kondensators. Das Verhalten ist besser - aber erst bei sehr hohen Frequenzen.

Man sollte die Kapazität des Folienkondensators mit mindestens 30% der Elkokapazität ansetzen, um merkliche Verbesserungen zu erzielen. Die DA wird durch eine Parallelschaltung aber kaum verbessert. Selbst bei einem Verhältnis der Kapazitäten von 1:1 reduziert sich die DA bloß knapp auf die Hälfte.
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Zu Bild 11

Bild 11. Wie Bild 10, aber mit Parallelschaltung eines 220-nF-MKT-Konden-sators. Bei einigen hundert Kilohertz erkennt man eine Verbesserung, darunter ist der Verlauf noch ziemlich fern vom Ideal.

Aus Bild 11 kann aber entnommen werden, daß die Parallelschaltung eines Folienkondensators zu einem Lade- oder Siebelko im Netzteil Sinn macht. Dann nämlich entkoppelt der Folienkondensator bei hohen Frequenzen bis zu einigen MHz recht deutlich und sorgt dafür, daß hochfrequente Störungen aus dem Netz besser unterdrückt werden.

Mit diesen Hinweisen sind die wichtigsten Punkte zum Thema Audio-Kondensatoren behandelt. Trotzdem gilt:
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Der beste Audio-Kondensator ist kein Kondensator.

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Leider läßt sich dieses Motto nicht überall in die Tat umsetzen. Falls Sie nun noch weitergehendes Interesse an Kondensatorfragen -speziell für Frequenzweichen - haben, sei Ihnen das bereite erwähnte Sonderheft Plus 13 "HiFiBoxen" zur ergänzenden Lektüre empfohlen.

Das war ein Laborbericht aus 1991 !!

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Kasten :

Die verschiedenen Stadien der Herstellung eines großen MKT-Folienkondensators. Zwei Lagen einer metallisierten Folie werden zu einer Rolle gewickelt. Die beiden Lagen sind gegeneinander versetzt. Auf die Außenkanten der Rolle werden Isolationsfolien aufgebracht und festgepreßt, um zu verhindern, daß sich die Lagen im Innern lösen können. Anschließend wird die Isolation an den Außenkanten teilweise wieder weggeschmolzen, damit das Metall zum Vorschein kommt. Hierauf wird ein leitender Belag aufgebracht, sodaß jede Lage an jeweils einer Seite über die ganze Länge elektrisch leitend verbunden ist (Verminderung der Induktivität). Zum Schluß werden die Anschlußdrähte aufgelötet und der Kondensator mit Kunststoff isoliert.

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