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Gerhardt Ronnebergers Autobiographie - Deckname "SAALE" - aus 1999 - ein Generaldirektor erzählt .....

Gerhardt Ronneberger, geboren im März 1934 in Saalfeld († 2013 ?) schreibt 1999 in seiner Autobiographie (1982–1999) auf etwa 370 Seiten, wie es wirklich zuging beim MfS, der Stasi und den Betrieben in der "Deutschen Republik". Da er nie in einem richtigen Ossi-Gefängnis eingesperrt war, fehlt diese Erfahrung völlig, dafür aber die Zustände in einem West-Gefängnis und wie es dazu kam und vor allem, was danach bis zur Wende im Dez 1989 kam. Der Einstieg beginnt hier und mein Resume über das Buch endet hier.

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Die Japan-Connection

Die Beziehungen zwischen Japan und der DDR waren nicht die schlechtesten. Ganz im Gegenteil. Sie basierten auf der Anerkennung der staatlichen Souveränität der DDR und des Prinzips der Gleichberechtigung ohne jegliche politische Vorbedingungen.

Die Japaner waren sehr an wirtschaftlichen, aber auch an kulturellen und touristischen Verbindungen mit der DDR interessiert. Die Wirtschaftsbeziehungen zur DDR wurden beispielsweise tatkräftig durch die Präsidenten des Kaidanren, des bedeutenden Unternehmerverbandes in Japan, gefördert. Kaidanren widmete auch der Arbeit des seit Jahren bestehenden und erfolgreich arbeitenden Wirtschaftsausschusses Japan - DDR große Aufmerksamkeit.

So war es wohl kein Zufall, daß mehrfach hochrangige Wirtschaftsdelegationen unter Leitung von Günter Mittag zu Verhandlungen nach Japan reisten oder daß Erich Honecker während seines Staatsbesuchs 1981 von der Nihon-Universität die Ehrendoktorwürde verliehen bekam.
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  • Anmerkung : Hier bestätigt sich, daß die Japaner bzw. deren Wirtschaftsverband überhaupt keine moralischen oder sonstigen Bedenken hatten, mit einer ganz offensichtlichen und dazu noch eingezäunten Diktatur zusammenzuarbeiten und die nahezu weltweit vereinbarten CoCom/Embargo Konzeptionen unterliefen. Wie kann man einem Erich Honnecker eine Ehrendoktorwürde andienen. Entweder waren die Japaner blind, das konnte aber nicht sein, denn in Düsseldorf gab es ein ganzes japanisches Viertel - oder sie waren nur am Geld interessiert.

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Japan hat in der DDR mehrere große Industrieanlagen errichtet, zum Beispiel zur effektiven Spaltung und Verarbeitung von Erdöl und ein modernes Werk zur Herstellung von Farbbildröhren.
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  • Anmerkung : Das Bildröhrenwerk wurde ein großer Flop. Philips hatte übrigens auch versucht, zusammen mit seinem fernöstlichen Partner LG ein Bildröhrenwerk im Ostblock (Hranice in Tschechien) aufzubauen. Als das neue Werk in 2002 so gut wie fertig auf der "grünen Wiese" stand, waren (diesmal) die Koreaner direkt nach Weihnachten alle veschwunden / abgereist und sie kamen auch nie wieder.

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Beachtliches wurde von Japan beim Bau attraktiver Hotels zur Förderung des internationalen Tourismus in der DDR geleistet. Das Internationale Handelszentrum in Berlin (IHZ) wurde zum Aushängeschild der Japaner in der DDR.

Diese vertrauensvolle Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil war auch die Grundlage für die von der DDR angestrebte Kooperation auf dem Gebiet der Mikroelektronik. Sie war für uns lebensnotwendig.
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Jetzt kommt Ronnebergers Interpretation bezüglich USA

Japan und die USA waren die führenden Länder auf dem Gebiet der Mikroelektronik. Hier wurden nicht nur die modernsten Bauelemente, Geräte und Computer hergestellt, sondern auch die zu ihrer Herstellung notwendigen Produktionsausrüstungen.

Ohne diese Ausrüstungen konnte kein Produzent von Mikroelektronik in der Welt, auch nicht die DDR, auskommen. Nur in japanischen oder amerikanischen Konzernen waren das moderne Know-how für die Mikroelektronik und die entsprechenden Produktionsanlagen vorhanden.

Da aber zwischen der DDR und den USA keine zufriedenstellenden zwischenstaatlichen Beziehungen bestanden, kamen die USA als Beschaffungsland für uns nicht in Frage. Es mußten also langfristige Beziehungen zu Japan und seinen Elektronikkonzernen aufgebaut, gehegt und gepflegt werden.
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  • Anmerkung : Diese Art der Interpretation entbehrt die gesamte Wahrheit nach 1945, wie die Amerikaner über die SBZ bzw. Ostzone (DDR) und über die Russen als Besatzer gedacht hatten. Lesen Sie dazu die Einschätzung von Heinrich Fraenkel als amerikanischer Presseoffzier im geteilten Berlin und seine Erfahrungen mit den Russen.
  • Die Amerikaner haben die Embargo-Listen aufgestellt und weltweit publiziert. Die Japaner mussten später einen sehr hohen Preis für diese Art von "Geschäften" bezahlen.

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"Meine" Erfahrung mit Japanern

Ich persönlich konnte da auf recht gute Erfahrungen zurückgreifen: Bereits Anfang der 19sechziger Jahre hatte Heim-Electric die ersten Transistoren aus Japan importiert. Die Verhandlungen mit dem Handelshaus Nichimen und dem Produzenten Hitachi hatten damals meine Mitarbeiter und ich als Direktor des zuständigen Importbereichs geführt. Das Embargo war für die Japan schon damals kein Tabu. Seitdem wurde Japan zu einem Schwerpunkt meiner Arbeit.

Als Generaldirektor des Außenhandelsbetriebes Carl Zeiss Jena reiste ich dann Mitte der 19siebziger Jahre erstmals selbst nach Japan. In ziemlich komplizierten Verhandlungen mit der Leitung von Nichimen sammelte ich erste Erfahrungen auf dem japanischen Markt. Vor allem konnte ich die für Europäer mitunter schwer verständliche Mentalität der Japaner und ihre Verhandlungsführung studieren.

Japaner verstehen es, mit Wörtern Abstand voneinander zu halten - gerade indem sie stundenlang miteinander reden, scherzen und lachen. Sie vermeiden scharfe Auseinandersetzungen und stimmen viel häufiger mit unverbindlichen Worten dem zu, was ein Widersacher sagt.

Konträre Meinungen werden nicht wie von uns Europäern knallhart geäußert. Es ist in Japan eine allseitig geschätzte Tugend, wenn man nachgibt, sich anpaßt und einfügt. Nur indem man die eigene Meinung mit der des anderen verschmilzt, kann man ihr Gehör verschaffen und sie durchsetzen.

Die japanische Weisheit - durch nachgeben gewinnen - funktioniert erstaunlich gut. Die bei uns Deutschen übliche Form des Sich-unbedingt-durchsetzen-Wollens führt in Japan nicht zum Ziel. Es war für mich eine gute Schule, die sich später auszahlen sollte.
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Auch Günter Mittag war in Japan

Ende 1977 weilte eine DDR-Wirtschaftsdelegation unter Leitung von Günter Mittag in Japan. Zu ihr gehörten Generaldirektoren von Außenhandelsbetrieben und Kombinaten, darunter auch der Generaldirektor des Kombinats Mikroelektronik, Professor Wedler.

Bei den Verhandlungen wurden erste Kontakte zu Sharp, Toshiba und einigen anderen Konzernen geknüpft und konkrete Importwünsche der DDR auf dem Gebiet der Mikroelektronik geäußert.

Die Sondierungsgespräche stießen bei den Japanern auf alles andere als auf Ablehnung. Das Embargo war kein Gesprächsgegenstand. Weitere konkrete Gespräche wurden für 1978 vereinbart.

Als ich Anfang 1978 die Leitung des neugebildeten AHB Elektronik im Kombinat Mikroelektronik übernahm, wurde ich beauftragt, Verhandlungen in Japan vorzubereiten. Es ging zum einen um erste konkrete Importobjekte, wie Schaltkreise für unsere Taschenrechnerproduktion und zum anderen um den Aufbau langfristiger Beziehungen zu Elektronikkonzernen.
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Die Botschaft der DDR in Japan ?????

Die Botschaft der DDR in Japan wurde durch den Minister für Außenhandel verpflichtet, meine Aktivitäten in Japan mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu unterstützen. So geschah es auch. Botschafter Horst Brie hatte meine ersten Kontakte zu den Konzernspitzen von Sharp und Toshiba gut vorbereitet.

Im Mai 1978 wurde ich in Osaka vom damaligen Präsidenten von Sharp, Akira Saeki, empfangen. Nicht nur ich betrat Neuland. Denn wir waren die ersten Vertreter eines sozialistischen Landes, mit denen Sharp zusammentraf und in der Folge Verträge abschloß.

Während dieses Aufenthaltes in Japan wurde ich in Tokio auch in der Konzernzentrale vom Vizepräsidenten und Direktor für Forschung, Dr. Nagai, begrüßt. Auch dieses Spitzengespräch fand in einer warmen, äußerst freundschaftlichen Atmosphäre statt, und wir konnten den Grundstein für ein vertrauensvolles Verhältnis legen.

Im Ergebnis der Verhandlungen mit Sharp wurden zwei Verträge zur Herstellung von Schaltkreisen und LCD-Anzeigen für elektronische Uhren und Taschenrechner abgeschlossen. Allerdings war Sharp nicht bereit, das Embargo heimlich zu umgehen. Das Unternehmen machte die Abwicklung der Verträge davon abhängig, ob die japanischen Behörden eine Exportlizenz erteilten.

Sharp musste das Emborgo beachten

Ein Vertrag wurde schnell lizensiert und von Sharp ordnungsgemäß realisiert. Für den zweiten Vertrag erhielt Sharp keine Lizenz, da die Schaltkreise für Uhren und Rechner zum damaligen Zeitpunkt unter Embargo standen. Damit wollten wir uns freilich nicht abfinden und intervenierten bei Sharp. Ich sprach nochmals bei Präsident Saeki in der Konzernzentrale vor, Außenhandelsministers.

Dr. Beil überreichte im Wirtschaftsministerium (Miti) ein Aide-memoire, und auch der Wirtschaftsausschuß Japan - DDR wurde eingeschaltet. Leider alles vergeblich: Wir konnten weder eine Lizenzerteilung erreichen noch Sharp animieren, das Embargo zu umgehen.

Sharp trat vom Vertrag zurück. In der Folge verhandelten wir mit Sharp keine neuen Objekte, denn wir wollten uns nicht in Abhängigkeit von Lizenzerteilungen begeben.
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Aber selten ein Schaden ohne Nutzen

Zwischen dem Stellvertreter des Generaldirektors im Kombinat Mikroelektronik, Dr. Rolf Hillig, der in den Japangeschäften als mein Verantwortlicher für wissenschaftlich-technischen Fragen mitwirkte, und dem Forschungsdirektor von Sharp, Dr. Tadashi Sasaki, hatte sich eine persönliche Freundschaft entwickelt.

So konnten in späteren inoffiziellen Zusammentreffen zahlreiche für uns wichtige Informationen und fachliche Erkenntnisse gesammelt werden. Wir haben kräftig „abgeschöpft". Als Dank haben wir ihm zu Gastvorlesungen und der Ehrendoktorwürde der Technischen Universität Dresden verholfen.

  • Anmerkung : Sharp als sehr alte japanische Firma war keine der ganz großen Firmen in Japan und Sharp war damals zu weit über 60% vom US-amerikanischen Markt abhängig. Dieser Markt wäre bei Embargoverstössen komplett eingebrochen.

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Anders Toshiba.

Dort bewegte man sich wesentlich "flexibler" als bei Sharp. Bereits in den ersten Vertragsverhandlungen stießen wir zwar auch hier auf das Problem Embargo, fanden aber mit der Hilfe von Dr. Nagai einen Lösungsweg.

Nagai brachte nämlich eine Firma O. A. Machinery Corporation und ihren Präsidenten Matsuda ins Spiel. Nagai war mit dem Vater von Matsuda, einem einflußreichen japanischen Geschäftsmann, befreundet. Damit vertraute er dem Präsidenten Matsuda und seiner Firma O. A. Machinery.

Matsuda saß also dann stets mit am Verhandlungstisch bei Toshiba. D. h. es wurden jeweils zwei Verträge verhandelt und abgeschlossen: Der Hauptvertrag war frei von Embargopositionen und konnte zwischen Elektronik Export/Import und Toshiba direkt abgeschlossen werden. Für ihn wurde dann auch die erforderliche Exportlizenz problemlos erteilt, und Toshiba konnte risikolos an uns liefern.

Die Embargopositionen wurden zwischen Elektronik Export/Import und O. A. Machinery vertraglich vereinbart. Alsdann stellte Toshiba bei seinen Unterlieferanten in Japan und in den Geschäftsbereichen des eigenen Konzerns die Weichen, so daß O. A. Machinery die notwendigen Ausrüstungen auch geliefert bekam.

Für uns bestand der Vorteil, daß Toshiba für beide Verträge und damit für das Gesamtobjekt die technische Verantwortung übernahm. Das Unternehmen führte in der DDR die Teile wieder zusammen und übernahm Montage, Garantieverpflichtungen, technische Einweisung und Ersatzteilversorgung.

Dies wurde solange erfolgreich praktiziert, wie Dr. Nagai in seiner Funktion tätig war. Rechtzeitig vor seiner Pensionierung band er seinen späteren Nachfolger, Kosuke Miyoshi, in unsere Geschäftsbeziehungen ein.

Dadurch konnte ein gleitender Übergang gesichert werden. Miyoshi jedoch stützte sich dann nicht mehr so stark auf Matsuda, sondern nutzte teilweise andere Abwicklungsmöglickeiten und Partner, vor allem das Handelshaus Mitsui. Partner bei Mitsui war der General-Manager der Ost-West Handelssektion, Hiro Reizei, zu dem Miyoshi mehr Vertrauen als zu Matsuda hatte.
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Toshiba - Eine Hand wäscht schließlich die andere.

Natürlich legten wir allergrößten Wert darauf, uns einen solch zuverlässigen und wichtigen Partner warmzuhalten und nicht ins Messer laufen zu lassen. Deshalb akzeptierten wir den Vorschlag von Toshiba und schlossen bereits in der Anfangsphase unserer Zusammenarbeit im Rahmen des Wirtschaftsausschusses Japan - DDR mit dem Kombinat Mikroelektronik pro forma einen offizieller Vertrag über wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit ab.

Der Vertrag wurde von den japanischen Behörden genehmigt und diente Toshiba als wirksame Legende für die zahlreichen inoffiziellen Expertenbesuche von uns in Japan sowie für die Reisen japanischer Experten in die DDR.

Unser entgegenkommen ging freilich noch weiter. Wir kauften seitdem bei Toshiba nicht nur alle möglichen Nichtembargowaren ein, sondern zogen mit Hilfe des Ministeriums für Außenhandel und anderer Außenhandelsbetriebe alle größeren Anlagenprojekte aus Westeuropa ab und lenkten sie in Richtung Japan, möglichst zu Toshiba.

So verlagerte ich unsere eigenen Importe von Farbbildröhren aus Frankreich zu Toshiba, und der AHB Industrieanlagenimport kaufte u. a. komplette Fertigungslinien zur Herstellung von Algebrauchs- und Leuchtstofflampen sowie ein komplettes Farbbildröhrenwerk von Toshiba. Natürlich vergaßen wir bei diesen Riesengeschäften nie, die japanischen Geschäftsfreunde an unsere Forderungen und Wünschen nach Mikroelektronik zu erinnern. Eine Hand wäscht schließlich die andere.
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Mein Einstieg und der Aufbau von Japan-Know-how

Toshiba und O.A. Machinery wurden zwar schnell unsere wichtigsten Partnern im Elektronikland, sie waren aber nicht die einzigen.

Systhematisch nutzte ich meine Reisen nach Japan nicht nur für ständige Marktanalysen, sondern auch zur Gewinnung neuer Lieferanten. Gab es doch in Japan fast alles, wonach die ausgedörrten Seelen der DDR-Mikroelektronik lechzten.

Durch unsere Zusammenarbeit mit Toshiba, Sharp und einigen Handelshäusern blieben wir auf dem Markt keine Nobodys mehr. Das öffnete uns bei fast allen Firmen die Türen, einige fanden sogar von sich aus den Weg zu uns.

NEC Japan war eine Ausnahme - sie wollten nicht ....

Nur die Tore von NEC blieben uns trotz aller Bemühungen verschlossen, das Unternehmen hatte zu starke Bindungen an die USA. Auf der Erfolgsseite konnten wir solche ausgezeichnete Verbindungen wie die des Kombinats Robotron zu Epson verbuchen.

Der international renommierte Produzent von Druckern lieferte solche im größeren Umfeng in die DDR, und Experten von Robotron bekamen die Möglichkeit, die Fertigungsstätten in Japan zu besichtigen und mit den dortigen Kollegen zu fachsimpeln und sie auch „abzuschöpfen".

Außerdem arbeitete man gemeinsam an einem Konzept für eine neue Produktionsstätte für Drucker in Sömmerda, das aber durch die Wende nicht mehr realisiert wurde.

Über unsere Beschaffungslinien in Japan realisierten wir nicht nur den Technologietransfer und komplette Projekte der Mikroelektronik, sondern hatten auf diesen Wegen auch Zugriff auf moderne Produktionsausrüstungen beispielsweise von Canon oder auf leistungsfähige Testsysteme, ohne die kein Schaltkreisproduzent auskommen kann.
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Nihon Dempa Kogyo Co., Ltd (NDK) und Mitsubishi Electric

Aus der langen Reihe erfolgreicher Partnerschaft mit japanischen Unternehemen seien nur noch zwei genannt: Von Nihon Dempo Kogyo (NDK) konnten wir trotz Embargo das Know-how und die Produktionsausrüstungen für eine moderne Produktion von Schwingquarzen für Uhren erwerben, und bei Mitsubishi Electric verfügten wir über ausgezeichnete Verbindungen in die Führungsetage, was für uns einen wertvollen Informationsaustausch zur Folge hatte.

Gleichwohl war Japan - bei allen genannten Vorzügen fürs Embargogeschäft - kein Schlaraffenland, in welchem einem die gebratenen Täubchen in den Mund fliegen. Vielmehr mußte ich auch hier bei meinen Aufenthalten die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen sorgfältig beachten.
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Das japanische Geheimdienstnetz und das Wirtschaftsministerium (Miti)

Japan verfügt zwar nur über einen kleinen aber besonders in der Wirtschaftsspionage wirkungsvollen Apparat. Das Geheimdienstnetz wird weitgehend über andere Institutionen betrieben, die über beträchtliche Ressourcen verfügen.

In diesem System spielt das Wirtschaftsministerium (Miti) mit seinen spezifischen Organen die wichtigste Rolle. Miti entstand 1949 aus dem ehemaligen Rüstungsministerium als Zentrum der japanischen Wirtschaftspolitik und förderte mit Milliardengeldern gezielt jene Industrien, in denen sich Japan die besten Wettbewerbschancen ausrechnete. Das sah man besonders in der Automobilindustrie, der Biochemie und der Mikroelektronik und Computertechnik.

Bereits 1972 hatte das japanische Abgeordnetenhaus die Einrichtung eines Electronics Industry Deliberation Council angeordnet, der die japanischen Elektronikkonzerne bei der systematischen Informationsbeschaffung "beraten" und lenken sollte.

Die Anleitung und Aufsicht über diese Institution wurde Miti, dem "Ministry for International Trade and Industry", übertragen. Miti selbst richtete in der Abteilung Schwerindustrie eine sogenannte Informationsstelle ein, deren Sonderbeobachtergruppe weltweit Informationen für die Elektronikindustrie beschaffte.

Unter Leitung von Miti wurde in der Folge ein effektiv arbeitendes Netz der japanischen Wirtschaftsspionage errichtet. Darin spielt die "Japan Extemal Trade Organisation", auch als Jetro bekannt, eine besondere Rolle.

JETRO, offiziell als Institution zur Förderung des japanischen Exports getarnt, ist in dem Netz der Aufklärungs- und Spionagetätigkeit das wichtigste Bindeglied zwischen den halboffiziellen japanischen Institutionen und Beamten, die Wirtschaftsspionage betreiben, und dem Miti. Jetro wird international als ein reiner wirtschaftlicher und politischer Nachrichtendienst Japans eingeschätzt der ähnlich wie die CIA aufgebaut ist.

In dieses System ist auch die dem Miti zuzuordnende Japan Economic Foundation (J.E.F.) einzureihen, in der als Executive Managing Director Yoshimichi Hori tätig war. Genau jener Mann, der zum Zeitpunkt unserer beginnenden Geschäftsbeziehungen zu Toshiba noch als Vertrauensperson von Dr. Nagai mein wichtigster Gesprächspartner war.

Er war bereits damals gleichzeitig der wichtigste Kontaktmann von Toshiba zum Miti. Nebenberuflich arbeitete er trotz seiner Funktion in JETRO auch noch als Berater für Toshiba und als deren Verbindungsmann zu Miti weiter. Verständlich, daß ich zu ihm auch in seiner neuen Funktion die Kontakte aufrechterhielt und ihm manches Stuck Meißner Porzellan als Geschenk aus der DDR mitbrachte ...
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Japans Interesse bezüglich des Embargos

Neben den staatlichen und „halbstaatlichen" Abwehr- und Spionageorganisationen unterhalten auch die großen japanischen Konzerne eigene Gruppen von Mitarbeitern, die Informationen „beschaffen" und nachrichtendienstlich arbeiten. Sie arbeiten wiederum eng mit Miti zusammen. Das war für uns natürlich kein Geheimnis, wir wußten stets, daß solche "Experten" beispielsweise von Toshiba immer mit am Verhandlungstisch in Japan saßen oder zu den Delegationen gehörten, die zu uns in die DDR kamen.

Zu den bereits angedeuteten Sicherheitsmaßnahmen gehörte, daß ich meine Reisen nach Japan mit einem Diplomatenpaß der DDR durchführte, den mir Schalck besorgt hatte. Damit wurde den japanischen Behörden signalisiert, daß ich im offiziellen staatlichen Auftrag der DDR handelte.

Er sollte mir bei eventuell auftretenden Problemen im Gastland einen gewissen Schutz bieten. Vermutlich hätte er mir aber in der Praxis, im Falle des Auffliegens unserer Aktivitäten, wenig geholfen.

Jedenfalls mußten wir während unserer Japanaufenthalte immer davon ausgehen, nachrichtendienstlich überwacht zu werden. Um das der Gegenseite wenigstens zu erschweren, wählten wir in Tokio stets das Hotel New Otani aus, eines der größten im Zentrum gelegenen Hotels. Es wurde überwiegend von der internationalen Geschäftswelt genutzt und bot die beste Chance, uns weitgehend unkontrolliert bewegen zu können.

Um andere Risiken von vornherein auszuschließen, deponierten wir die Unterlagen prinzipiell nur in den Räumen der DDR-Botschaft und führten notwendige Beratungen unserer Verhandlungsdelegationen stets in den abhörsicheren Konferenzräumen des Botschaftsgebäudes durch.

Erstaunlicherweise - oder besser: logischerweise? - gab es während meiner zahlreichen Japanreisen nie Probleme mit japanischen Sicherheitsorganen oder Diensten. Dabei bin ich nicht so naiv anzunehmen, daß wir völlig unbeobachtet und unaufgeklärt agieren konnten. Vielmehr wurden unsere Aktivitäten offensichtlich geduldet und inoffiziell abgedeckt.

Sah doch die japanische Wirtschaft im Embargo vor allem ein Instrument ihres Konkurrenten USA, dem man schon aus geschäftlichen Gründen ein Schnippchen schlagen wollte. Dabei mußte noch nicht einmal das Argument bemüht werden, sich für die freie Entwicklung des Welthandels einsetzen zu wollen.

Erklärlich also auch, daß der Staat im Interesse der japanischen Wirtschaft über vieles großzügig hinwegsah oder erst dann einschritt, wenn die Verbündeten davon Wind bekamen und Embargoverstöße öffentlichkeitswirksam aufgedeckt wurden.
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Gin Tonic unter vier Augen

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Toshiba - Einblick in unsere Verhandlungen

Unsere Beziehungen zu Toshiba zeichneten sich durch etwas ganz Besonderes aus. In den Verhandlungen gingen beide Seiten nicht nur konstruktiv, freimütig und vertrauensvoll miteinander um, und die Japaner hatten nicht nur kommerzielles Interesse an einer Zusammenarbeit mit uns. Vielmehr machten sie kein Hehl aus ihrer großen Sympathie gegenüber allen Deutschen, wobei sie nicht zwischen Ost und West unterschieden.

Vizepräsident Dr. Nagai und Yoshimichi Hori

Allen voran Vizepräsident Dr. Nagai, aber auch Yoshimichi Hori, Assistant General Manager des für die internationale Zusammenarbeit zuständigen Bereichs International Operations-Producer Goods.

Nagai, ein sehr gebildeter und geistig vielseitig interessierter Mensch, betrachtete zwar als echter Japaner Japan als einzigartig, als Anfang und Mittelpunkt der Welt, kannte sich aber gut in der deutschen Geschichte und Kultur aus und besaß ein großes Verständnis für deutsche Mentalität, die sich wesentlich von der japanischen unterscheidet. Schnell kam es zwischen uns zu echten freundschaftlichen und persönlichen Kontakten.

Sein hohes Alter, seine langjährige Führungsrolle im Konzern und seine persönliche Ausstrahlungskraft auf Mitarbeiter sicherten ihm hohes Ansehen und Einfluß innerhalb des Konzerns und bei Toshibas Geschäftspartnern im internationalen Geschäft. Gegenüber sozialistischen Partnern hatte er keine Vorbehalte, Politik war für ihn kein Gesprächsgegenstand.

Yoshimichi Hori stand vor seiner Tätigkeit bei Toshiba im diplomatischen Dienst und war japanischer Handelsrat in der UdSSR. Hieraus resultierten auch seine engen Verbindungen zu Miti. Als ehemaliger Handelsrat in Moskau war er natürlich mit den Bedingungen in sozialistischen Ländern vertraut.

Sehr gefragt : deutsche Tradition und Kultur

Vor allem zur DDR, die er als Teil Deutschlands und der deutschen Kultur betrachtete, hatte er ein besonderes Verhältnis. Auch er zeigte großes Interesse an deutscher Tradition und Kultur, eine Eigenschaft, die bei jüngeren Japanern nur noch selten anzutreffen ist.

Ihre Denk- und Verhaltensweisen sind amerikanisch geprägt, was sich auch in ihrer Einstellung zu Geschäften und in ihrem Arbeitsstil widerspiegelt.

Dr. Nagai hatte für die Zusammenarbeit mit der DDR ein fähiges Team von überwiegend jungen Mitarbeitern zusammengestellt. Hori arbeitete für Dr. Nagai als Berater und war zweifellos die graue Eminenz. Die konzeptionelle Arbeit leistete vor allem Yoshihiko Sento, Manager der Europa-Gruppe der Abteilung Export von Industrieanlagen, der auch die konkreten Vertragsverhandlungen zu den einzelnen Objekten führte.

Zum Team gehörte weiterhin Hideaki Imamura, Senior Manager der Abteilung Export von Industrieanlagen, ein sehr wortkarger und verschlossener Mensch. Seine Rolle war uns nie ganz klar, aber manches deutete darauf hin, daß er nachrichtendienstlich angebunden war.

In die Verhandlungen mit uns wurden von Nagai und seiner Mannschaft stets weitere Top-Manager und Experten der jeweiligen Toshiba-Betriebe hinzugezogen. Somit umfaßte der Kreis der Mitwisser bei jedem Projekt immerhin etwa zehn Personen. Doch Toshiba vertraute auf die in japanischen Firmen übliche Loyalität der Mitarbeiter.

Die Einladung der Japaner nach Deutschland - in die DDR

Bereits nach meinen ersten Gesprächen in Tokio nahm Dr. Nagai eine Einladung des Generaldirektors des Kombinats Mikroelektronik zu einem DDR-Besuch an. Er wurde dabei von Hori und von Matsuda, dem Präsidenten von O. A. Machinery, begleitet.

Ich hatte die dankbare Aufgabe, die Japaner während ihres DDR-Aufenthalts zu betreuen. Sie wurden fast wie hochrangige Staatsgäste behandelt.

Die Delegation wurde nämlich offiziell von Ottfried Steeger, dem Minister für Elektrotechnik/Elektronik, und von Hans Modrow, damals 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung Dresden und Vorsitzender der Freundschaftsgesellschaft DDR - Japan der DDR-Volkskammer empfangen.

  • Anmerkung : Die ausländichen Gäste von weit her wurden so gut wie immer auf dem Flughafen bei Dresden empfangen. Dort stellte sich die Frage nach der Mauer und dem Sinn der Mauer nicht. Auch wurde das Thema West-Berlin nie angesprochen. Sehr ähnlich wie bei fast 80% der Amerikaner liegt die Schweiz in Bayern. So hatten auch die allermeisten Japaner selbst mit Bildung den Unterschied zwischen West- und Ostdeutschland nie verstanden. Deutschland war eben Deutschland.


Das Treffen mit Modrow fand im Dresdner Gästehaus der SED statt und verlief keinesfalls nach steifen Protokollregeln. Hans Modrow ließ sich vor dem Zusammentreffen von mir ausführlich über unsere Absichten mit Toshiba informieren.

Im Gespräch mit Toshiba kam Modrows bescheidenes und sachkundiges Auftreten und seine Argumentation außerordentlich überzeugend an und stärkte auch meine Position gegenüber Dr. Nagai.

Im Gästehaus herrschte eine angenehme Atmosphäre, nichts von den sonst üblichen Protz bei ähnlichen Veranstaltungen anderer SED-Spitzenfunktionäre. Noch oft kam Dr. Nagai später auf dieses für ihn beeindruckende Treffen zurück. Modrows einzige Sorge mir gegenüber nach dieser Veranstaltung: Habe ich es richtig gemacht und konnte ich euch helfen?
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Und wieder gab es Meißner Prorzellan

Zur Pflichtkür des Besuchsprogramms gehörte zwar auch eine Stippvisite im Kombinat Mikroelektronik, doch hauptsächlich bemühten wir uns, den japanischen Gästen jeden Wunsch von den Lippen abzulesen. Dazu gehörte die Besichtigung der Dresdner Gemäldegalerie, der Porzellanmanufaktur Meißen und der Goethe- und Schiller-Gedenkstätten in Weimar. Im Ergebnis des Besuches konnte Dr. Nagai seine bereits umfangreiche Sammlung Meißner Porzellans um einige wertvolle Stücke ergänzen, die wir ihm als Geschenk übergaben.

Handfeste Geschäftsabschlüsse, meßbar in Dollar oder Yen, gab es im Ergebnis dieses Besuchs freilich nicht. Das hatten wir auch gar nicht vorgesehen, es ging erst einmal darum, die Kontakte zu vertiefen und persönliche Bindungen herzustellen.

Die damals gegebenen Absichtserklärungen für die weitere Zusammenarbeit wurden in der Folgezeit untermauert, beispielsweise als Nagai und Hori mehrmals die Leipziger Messe besuchten. Jedenfalls hatten wir für die Zusammenarbeit mit Toshiba einen solides Fundament geschaffen, auf dem sich Stück für Stück aufbauen ließ. So hatten die ersten Verträge mit Toshiba noch ein relativ bescheidenes Volumen und ein niedriges wissenschaftlich-technisches Niveau. Diese Lieferungen der Japaner dienten dem Aufbau der Produktion von Taschenrechnern und elektronischen Uhren. Doch schon bald wurde die Latte höher gelegt.

Die Haltung gegenüber Amerikanischem in Japan ist ambivalent

Die konkreten Vertragsverhandlungen wurden von Seiten Toshibas stets unter Regie von Sento geführt, zu dem ich recht schnell ein gutes Verhältnis herstellen konnte. Er war ein gebildeter und flexibler junger Mensch, der sich den japanischen Traditionen kaum noch verpflichtet fühlte, sondern ausgeprägte amerikanische Lebensauffassungen vertrat.

Die Haltung gegenüber Amerikanischem war schon immer und ist auch heute noch in Japan ambivalent, sie schwankt zwischen Bewunderung und Verachtung.

Sentos Schwiegervater war ehemals japanischer Botschafter in Spanien. Entsprechend seiner Lebensauffassungen war auch der Geschäftsstil und die Verhandlungsfuhrung von Sento.

Stieß ich in den Verhandlungen mit Sento auf scheinbar unüberwindbare Hindemisse, so unterbrachen wir die Besprechung und arrangierten ein Zusammentreffen mit Nagai bzw. später mit seinem Nachfolger Miyoshi.

Vorher mußte jedoch Sento der Führungsebene seine Vorschläge zur Bestätigung vorgelegt haben. Denn er befand sich in der Firmenhierarchie noch auf einer Position, auf der man keine eigenständigen Entscheidungen trifft, sondern nur Firmen-Repräsentant ist und den Verantwortungsträgern zuarbeitet.
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Die Verhandlungen waren immer wieder ein taktisches Spiel

Ich kannte natürlich diese Facette der japanischer Psyche und beteiligte mich an dem taktischen Spiel. Also ging ich darauf ein, daß Sento in Vorbereitungen seiner Entscheidungsvorschläge diese vorher mit mir abstimmte. So konnte er ziemlich sicher zu sein, daß sie dann auch von mir gegenüber seinen Chefs akzeptiert wurden, sonst hätte er leicht sein Gesicht verlieren können.

Bei diesen Gesprächen unter vier Augen, die wie alle offiziellen Verhandlungen auf Englisch geführt wurden, ging Sento sehr unkonventionell und, seinem jugendlichen Alter entsprechend, teils auch respektlos vor.

Während der Verhandlungen arbeitete er Tag und Nacht und schlief auch schon mal nachts im Büro, um sich den langen Heimweg zu ersparen. Gilt doch noch heute der alte Samurai-Spruch: Was gibt es Schöneres, als sein Leben für den Herrn zu opfern.

Sentos Herr war der Konzern Toshiba. So passierte es nicht selten, daß er mich mitternachts im Hotel anrief und um ein sofortiges Zusammentreffen bat.

In einer Bar oder einem Club diskutierten wir dann bis in die frühen Morgenstunden hinein seine Vorschläge für die Führungsetage. Solche Treffen bei sündhaft teuren Drinks und befreienden Scherzen der „mama-san", so nennt man die „Chefin" des Clubs, sind im japanischen Geschäftsieben typisch.

„Shabu-shabu", ein schmackhaftes Suppenfondue, oder „Tempura", ein paniertes Gericht, von hübschen Geishas gereicht, gehörte oft dazu. Beides gilt als japanische Spezialität. Im ritualisierten Japan läuft ohne dieses „Settai"-System kein Geschäft. Da läßt man schnell für einen wichtigen Geschäftspartner einige Tausend DM am Abend springen.
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Die unkonventionelle Art von Verhandlungsführungen

Hatten wir endlich Übereinstimmung erzielt, wurde das formlos auf einem Stück Papier, z. B. einer Serviette, festgehalten. Und dann wurde der Erfolg meist nicht mit japanischen Sake, sondern mit Whisky und Gin Tonic gefeiert. Das war zwar für mich sehr anstrengend, doch ich konnte sicher sein, daß ich am nächsten Morgen beim Zusammentreffen mit Nagai oder Miyoshi nicht überrascht wurde. Das Ergebnis der nächtlichen Arbeit mit Sento wurde mir als Entscheidung oder Vorschlag von Toshiba vorgetragen.

Diese unkonventionelle Art von Verhandlungsführungen entsprachen natürlich nicht unseren Sicherheitserfordernissen und waren in den Augen des MfS völlig suspekt. Sie führten aber zum Erfolg.

Deshalb eine Auflistung der Erfolge

Die Handelsbeziehungen mit Toshiba schritten in Siebenmeilenstiefeln voran. So lieferten uns die Japaner Technologie und Fertigungsausrüstungen zur Herstellungen von LED-Anzeigen im VEB Werk für Fernsehelektronik Berlin, eine komplette Roboterlinie zur Bestückung von Leiterplatten im Fernsehgerätewerk Staßfurt und die Produktionsausrüstungen für Leistungselektronik (Transistoren und Dioden) in Stahnsdorf.

Vor allem das letztgenannte Projekt gestaltete sich recht kompliziert, da ein ähnliches Toshiba-Vorhaben mit der CSSR bereits fehlgeschlagen war.

Die Schwierigkeit bestand im sehr hohen Anteil notwendiger Embargoausrüstungen, die zwar in Japan, aber zum großen Teil nicht von Toshiba hergestellt wurden und für die das Miti keine Exportlizenz erteilte. Außerdem wollten die Japaner in diesem Fall nicht O. A. Machinery einschalten.

Ich schlug deshalb vor, mir bekannte Embargolieferanten aus Westeuropa zwischenzuschalten, für die ich auch gegenüber Toshiba die Bürgschaft übernahm. Zu diesen Firmen gehörte u.a. Alltransistor (Scholz). Meine Idee wurde von Nagai akzeptiert.
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Projekte mussten in mehrere Verträge geteilt werden

Einmal mehr arbeiteten wir nach dem Prinzip, das Gesamtobjekt in mehrere Verträge aufzuteilen. Toshiba zeichnete für das Gesamtprojekt verantwortlich, lieferte das Know-how, einen Teil der Ausrüstungen und übernahm Montage, Inbetriebnahme und Garantieleistungen.

Die meisten Embargopositionen, vor allem jene von japanischen Unterlieferanten, vereinbarten wir allerdings auf Grundlage der vorliegenden Spezifikationen mit den von uns vorgeschlagenen westdeutschen Embargolieferanten.

Toshiba blieb dabei nicht draußen vor der Tür, sondern Sento saß als Konzernvertreter stets mit am Verhandlungstisch, auch bei Scholz in Bernau. Sogar die Unterlieferanten von Toshiba, so Tokio-Boeki, bezogen wir direkt in die Verhandlungen mit ein.
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Rückblick auf meine Verhaftung in 1982

Als unsere Transaktion mit Scholz 1982 aufflog und ich mit J. Scholz jr. in der Bundesrepublik verhaftet wurde, wurden leider auch die Verbindungen zu Toshiba sichtbar. Obwohl entsprechende Informationen über BND und CIA bis nach Japan durchsickerten, hatte das dort weder für Toshiba noch für die beteiligten Mitarbeiter wie Sento Konsequenzen.

Toshiba setzte die Geschäfte mit uns unbeeindruckt fort, das Vertrauen zu meiner Person blieb unerschüttert. Nie war das Thema Scholz offizieller Gesprächsgegenstand mit Toshiba, nur ein einziges Mal sprach ich auf der „Arbeitsebene" unter vier Augen mit Sento darüber.
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Wichtiger als die Geräte - das Produktions-Know-how

Unsere Zusammenarbeit mit Toshiba konzentrierte sich immer stärker auf den Technologietransfer. Ausrüstungen konnten wir schließlich über unsere anderen Beschaffungslinien ins Land holen, jedoch nicht das echte Produktions-Know-how.

Auch die von den speziellen Beschaffungsorganen illegal aufgetriebenen schriftlichen Dokumentationen reichten nicht aus. Notwendig war vielmehr das direkte Zusammenwirken der Experten unserer Betriebe mit den Fachleuten des jeweiligen Know-how-Trägers.

Also realisierten wir den Technologietransfer nicht nur über den Kauf von Know-how, sondern auch durch einen umfassenden Erfahrungsaustausch zwischen den Spezialisten beider Seiten. Zahlreiche Spitzenkräfte des Kombinats Mikroelektronik inspizierten die Fabriken, Labors und Entwicklungszentren von Toshiba, andererseits entsandte Toshiba seine Fachleute in die DDR. Ein beiderseitiges Geben und Nehmen.
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