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Der Ingenieur braucht immer "Beweise" - egal wofür.

Karl Breh - das Urgestein der seriösen Hifi-Presse

Juni 2024 - Auf vielen der Technik-Klausuren meiner Kommilitonen während meiner Studienzeit stand öfter an der Seite ein lustiger Kommentar : "Wirklich prima, völlig neue physikalische Erkenntnisse, bitte die Beweisführung nachreichen, ansonsten 'mangelhaft'". ..... Und das wars dann.

Hier im Museum hatte ich an vielen Stellen angemerkt, daß der von mir sehr geschätzte Dipl-Phys. Karl Breh (ehemals Chefredakteur der Zeitschrift Hifi-Stereophonie) so ziemlich der einzige war, der es mit der Beweisführung seiner Aussagen ernst nahm (jedenfalls solange es überhaupt noch ging).

Die ganzen Tests in den anderen Hifi- und Audio- Magazinen arteten fast immer in einer unglaubwürdigen Lobhudelei oder in wirrem Geschwafel aus, nämlich die als Zweikampf deklarierten Klang- unterschiede irgendwie verbal rüber zu bringen. Es klappte fast nie. Diese Art der Beweisführung können wir heute - mit unserer modernen PC- und Daten.Technik natürlich - besser und vor allem reproduzierbar vorführen.
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(1) Klangvergleiche für die eigenen Ohren - zum selbst Probieren

Der Kopfhörer - ideal geeignet
Karl Heinz Kratz beim Probehören

Unsere Ohren sind allermeist die besten Meßgeräte bezüglich Klangualität. Und die Experten vom VDT (das sind die ausgebildeten Tonmeister) und auch die Ohrenärzte haben in langen Jahren herausgefunden, was man bei einem ehrlichen und glaubwürdgen Vergleich zweier Testaufnahmen beachten muß (nicht nur sollte, sondern muß).

Die erste Frage ist die Zielsetzung :  Was will ich vergleichen ?

Da bieten sich zwei populäre Themen sofort an :

  • (1) die Klangqualität und
  • (2) die räumliche Wiedergabe,


also zwei völlig unterschiedliche Themen.

Für diese beiden Zielsetzungen gibt es dennoch gemeinsame Kriterien, die ein Student in seiner Diplomarbeit sehr schön formuliert und dargelegt hatte.

Die zu vergleichenden Klangbeispiele sollen bzw. dürfen von der Art der gespielten Musik die beurteilenden Zuhörer nicht vom angesetzten Thema der Zielsetzung ab- oder weglenken. Das bedeutet, es sollte eine "gefällige Art von Musik" als Vergleichsnormal benutzt werden.

Auch die (bei den Experten) noch so beliebten historischen Musiken von Brahms über Beethoven bis Mahler usw. sind lange nicht zum aussagekräftigen Vergleich geeignet, Die Definition von einer "gefälligen Art von Musik" für diese Vergleiche ist oft ein Streitthema unter Tonmeistern, die für solche Vergleiche fast immer ihre persönlichen Vorlieben einbringen wollen.

Als leicht negatives Beispiel seien die immer wieder vorgeführten und referenzierten Streichquartette von Karl Breh's DHFI-Messevorführungen auf den Hifi-Ausstellungen genannt, die aus meinem Hifi-Umfeld viel zu vielen Lesern und Hörern "zu fremd" waren.

Das ist eine wohlwollende Umschreibung dafür, warum diese Musik bei diesen Menschen überhaupt nicht ankam. Aus meiner Sicht war dieses immer wieder "hervorgehobene Thema" auch ein Grund für den Verlust (oder Rückgang) an Abonnenten dieser "seiner" Zeitschrift. Streichquartette hatten nie den Musikgeschmack der Masse der Hifi-Fans getroffen.
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(2) Zwei Vergleichs-Kriterien sind essentiell :

Als Projektbetreuer und Koordinator muß ich also auf mehrere solcher Kriterien Rücksicht nehmen. Zwei sind ganz wichtig :

  • (1) Kleinste Pegelunterschiede zwischen den beiden zu vergleichenden Aufnahmen - sogar unter 1db - verfälschen die eigene Wahrnehmung, so haben es die Probanden bei den (wissenschaftlichen ?) Hörtests immer wieder festgestellt.

    Das Problem kann man heute erstaunlich einfach lösen.

  • (2) Kurze Umschaltpausen zwischen den beiden zu vergleichenden Aufnahmen verwirren unser Gehirn und verfälschen so auch die Wahrnehmung. Die beiden Aufnahmen müssen lückenlos und knackfrei aneinander "gehängt" werden.

    Auch das ist heute kein Thema mehr.

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(3) Welche Methoden und welche Technik steht zur Verfügung ?

Die beste Qualität
Der Digitalrecorder

Die heutige Digitaltechnik ermöglich auch dem (musikalischen) Laien qualitativ hochwertige Ton- und Musik- Aufnahmen mit 96 kHz und 24 Bit Qualitäten. Dabei ist es fast nicht mehr wichtig, um wieviel besser diese Aufnahmen sind als die bekannte 44,1 kHz/16 Bit CD Qualität. Selbst Faktor 10 reicht bereits.

Als Dateiformat ist FLAC oder WAV geignet, weil Teil-Stücke einzelner Aufnahmen mit einer Audio-Schnitt- Software verändert und kopiert und gekoppelt werden können.
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Da wir nur eine gelungene Quell-Aufnahme von maximal 5 Minuten benötigen, sind zwei hochwertige Mikrofone ein Muß, wobei die Fachleute sich streiten, ob die beiden im Tascam DR40 Digital-Recorder / Aufnahmegerät eingebauten Elekret-Mikros so viel schlechter sind als die Kondensator Mikrofone von Behringer (Thomann) oder die beiden ORTF Mikrofone von Schoeps.
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Die vom Tascam abgespeicherten Dateien haben eine verfügbare Danmik von über 100db, wovon etwa 12 db als sogenannte "Headroom-" Reserve abgezogen werden müssten. Aber selbst das (mindestens 88 db) ist für unsere geplanten Qualitäts-Vergleiche absolut ausreichend.
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(4) Was soll eigentlich verglichen werden ?

Was geht rein und was kommt raus ? Das ist die Frage.
Das Feinste, das es gab, eine Telefunken M15A Bandmaschine

Vor ganz langer Zeit hatte ich eine schmerzliche Erfahrung mit meiner heißgeliebten Revox A 77 gemacht (38cm/s und Halbspur und wenig gebraucht), daß die von einer Direct-Cut Platte nach allen Regeln der Kunst (Thorens TD125 mit Shure V15/III) überspielte Musik "schlechter" klingt als die Platte direkt vom Plattenspieler. Später habe ich dann Tests gefahren mit reinen Sinustönen vom Edel-Tongenerator - Ergebnis : erschreckend.

Zu der damailgen Zeit hatte ich noch nicht die"geheimen" Papiere der Polidor Studie aus 1979 von Jörg Wuttke zugeschoben bekommen. Dort fand ich über 20 Jahre später genau diese belegte Erfahrung wieder, daß selbst (laut der Hersteller) edelste Studio-Bandgeräte - wie eine Telefunken M15 - hörbare "Schwächen" hatten und haben. Es geht hier nicht um eingebildete Macken aus dem esotherischen Bereich, sondern um beweisbare und hörbare Unterschiede.
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Wo bleibt der Beweis ?

Was aber immer wieder fehlte, war ein reproduzierbarer hörbarer schlüssiger Beweis. Das bedeutet, eine abspielbare HD-Audio-Datei mit 5 bis 10 Sekunden der maximal-Qualität und dann folgend 5 bis 10 Sekunden der sogenannten "Hinterband-Wiedergabe" - und das vielleicht mehrmals hintereinander.

Diese Vor-Hinterband-Tests lassen sich natürlich mit edelsten Dreikopf- / Dreimotoren- CC-Recordern wiederholen (wir haben 6 dieser teuren Edel-Recorder hier im Labor) bzw. durchführen, dazu mit eingebauem Dolby und/oder DBX und verschiedenen Bandsorten. Auch CC-Kassetten aller Qualitäten (über 2000 Stück) sind hier vorhanden.
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Weiterhin haben wir mehrere externe Dolby-Expander für normale "open-reel" Bandgeräte, die nie so richtig mit Musik untersucht wurden. In den Hifi-Magazinen wurden nur Frequenzkurven abgebildet, mit denen der normale Leser nichts anfangen konnte.
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(5) Die erzeugten Dateien sollte man überall abspielen können

Sowohl die originalen Einzelaufnahmen als auch die später montierten (aneinander gekoppelten) Takes sollen und müssen auf jedem modernen PC abspielbar sein. Zumindest die seit 2010 verbauten D/A-Wandler auf den allermeisten Mainboards können alle diese 96 kHz und 24 Bit Dateien analog ausgeben.

Wieweit die nachfolgende Audio-Technik dieses qualitative Niveau erhalten (weitergeben) kann, steht "auf einem anderen Blatt". Meine Erfahrungen - zum Beispiel mit dem Beyer DT 931 Kopfhörer (250 Ohm) - ist da durchaus positiv.
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(6) Grundlegende Überlegungen zum seriösen A-B Vergleich

Wenn ich also zwei Musikstücke vergleichen möchte und die Verstärker und Lautsprecher-Technik und dazu die Quellen-Umschaltmimik betrachte, ist dieser Teil gleich.
Doch als Quelle habe ich zum Beispiel einen CD-Spieler und einen SACD-Spieler, ein Magnetbandgerät oder einen Kassetten-Recorder oder ein DAT-Laufwerk oder einen USB Stick als Wandler.

Mit keiner dieser Quellen bekomme ich eine saubere pegelgleiche Lautstärke hin und mir ist es auch noch nicht gelungen, mit wirklich sehr guten Vorverstärkern zwei Quellen absolut pausenlos (=verzögerungsfrei) umzuschalten.

Man könnte die beiden Musikstücke auf eine CD brennen, auf eine SACD geht es zur Zeit nicht und die HD-Audio CDs, also die bescheibbaren DVDs sind kritisch, die brauchen unterschiedliche Wandler. Damit sind viel zu viele klangbeeinflussende "Mitspieler" im Boot. Ich würde Äpfel mit Birnen vergleichen. So geht es also nicht.
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(7) Nur die abgespielte Musik - aufgenommen als Wave- oder Flac-Datei - darf die beiden unterschiedlichen Quellen enthalten

Das bedeutet, sämtliche Komponenten in der (hochwertigen) Wiedergabe-Kette müssen für die Vergleiche gleich bleiben können, mit Ausnahme der jeweiligen (96kHz/24Bit) Wave-Datei.

Somit bleibt für mich zur Zeit folgende Lösung übrig : Diese Wave-Datei wird immer über den gleichen (hochwertigen) D/A Wandler (96kHz/24Bit), den gleichen (hochwertigen) analogen Vor-/End- Verstärker und die gleichen (hochwertigen) Boxen (oder auch Kopfhörer) abgespielt.
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In dieser Wave-Datei ist immer (zuerst) das Referenz-Stück und dann (folgend) das Vergleichs-Stück - lückenlos aneinander gehängt - abspielbar.
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Will ich also das Referenz-Stück mit einem Kassettenrecorder aufnehmen und diese Aufnahme dann abspielen und zu einem Vergleichs-Stück in eine Wave-Date wandeln, müssen die analogen Recorder-Ausgänge mit den gleichen Wandlern (unseres TSACM DR40) verbunden / benutzt werden.

Die damit auf dem TASCAM DR40 aufgenommenen Vergleichs-Stücke würde der Hörer ja genauso mit seinem Verstärker hören.
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Natürlich bieten sich weitere Einsatzgebiete an

Mit einer bereits so guten Aufnahmetechnik kann man weitere Audio-Qualitäten der eigene Anlage demonstrieren. Läßt man die Muster-Aufnahme (ohne Unterbrechung) mit einer 10 Sekunden Pause und weitgehend "absoluter" Stille beginnen, kann man das Zuhause auf der eigenen Anlage ausprobieren.

Ist das für den Verstärker und die Boxen zu gefährlich, weil ja die Musik dann einsetzt, kann man am Ende die Aufnahme wiederum 10 Sekunden mit nahezu "Stille" weiterlaufen lassen, auch wieder óhne Unterbrechung.

Dann darf aus den Lautspechern auch absolut nichts rauskommen, wie damals bei den Leerrillen auf dden DHFI Test-Schallplatten. Diese Überspielungen auf 96 kHz und 24 Bit Files haben wir bereits fertig.

Der Riesenvorteil ist heute, daß die gesamte Audio-Information von der Elektronik kommt (z.B. vom USB Stick), daß man jetzt den LS-Steller mal so richtig aufdrehen kann, ohne Rückkoppelungsprobleme zu bekommen.
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Weitere Hintergedanken - "Jitter" und "Dither"

Daß wir uns mit der 96 kHz und 24 Bit Technik qualitativ bereits ganz "weit oben" in der Audiotechnik bewegen, ist klar. Und daß es da bislang nicht gar so viele Edel-Referenz- Aufnahmen zur allgemeinen freien Verfügung gibt, dürfte auch klar sein.

Weiterhin hatte Prof. Lipshitz vor über 20 Jahren eine Methodik beschrieben, wie man ganz normale 44,1 kHz CD-Aufnahmen deutlich verbessern könnte und auf ein SACD Niveau "heben" könnte. In dem Interview führt er auch aus, daß die 1 bit SACD-Streams eine verlustfreie Nachbearbeitung unmöglich machen würden. Auch bei der Nachbearbeitung von 96 kHz und 88,2 kHz Quellen sei einiges zu bedenken.

Es gibt noch mehr Ecken und Haken, die zu beachten sind. So gibt es nicht nur bei der Schallplatte und den Bandgeräten diese Tonhöhenschwankungen, neuzeitlich "Jitter" genannt, es gibt auch Verfälschungen durch konstante hochfrequente Rauschanteile oberhalb von 30 kHz, die man eigentlich gar nicht hören würde, außer, wenn sie doch das tiefer liegende Audiosignal verändern / verfälschen.

Das alles betrifft natürlich nur die über längere Zeit geschulten Ohren der anspruchsvollen Hifi-Hörer (und natürlich die Tonmeister), die wir mit diesen Test-Musiken aus dem esoterischen Bereich in die reale Hifi-Welt zurückholen wollen.
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Beispiel 1 : "Jitter" (digitales Jaulen) künstlich erzeugen

Auch bei dieser Demonstration brauche ich das saubere Original und das künstlich verfremdete Jitter-Beispiel (zum Beispiel durch eine verkratzte CD) in mehreren Schweregraden.
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Beispiel 2 : Der hörbare Einfluß von "Dither" (Schmutz)

Angeblich sei mit dem Hinzufügen von "weißem" Hochfrequenzrauschen (Dither) zu einer HD-Tonaufnahme das Systemrauschen (auch Dither) zu neutralisieren und man würde es hören. So jedenfalls beschreibt Prof. Lipshitz seine empfohlene Vorgehensweise.
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Auch hier geht es noch weiter ..... bald

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